30 Jahre "Sport-Artikel" gegen Diskriminierung

24. Juni 2002, 19:43
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Artikel 9 verankerte Gleichberechtigung für Frauen in allen US-Bildungsinstitutionen

Washington - Vor 30 Jahren, am 23.6.1972, wurde vom US-Kongress ein Gesetz verabschiedet, das gleiche Chancen und Möglichkeiten für Schülerinnen und Studentinnen in allen Bildungsinstitutionen verankert. Diskriminierung auf Grund des Geschlechts wurde ausdrücklich verboten. Der so genannte "Artikel 9" ist heute in den USA als "Sportartikel" bekannt, weil er die Zahl der Sportlerinnen an Schulen und Colleges stark erhöht hat. Bis 1972 wurden Frauen nicht nur am Sportplatz der Unis massiv benachteiligt, indem durchschnittlich nur zwei Prozent der Fördermittel für Frauensport ausgegeben wurden, sondern auch im Hörsaal.

Durchgängige Geschlechtersegregation

Nur sechs Prozent der Studenten der Rechtswissenschaft waren damals weiblich, und nur acht Prozent der Hörer an den medizinischen Fakultäten. Wenn Frauen bestimmte Fächer oder an bestimmten Universitäten studieren wollten, durften sie es oft nicht: In den frühen siebziger Jahren hatten zahlreiche Institutionen für höhere Bildung nur eine geringe Studentinnen-Quote vorgesehen, unabhängig von den Qualifikationen. An einigen Universitäten mussten Frauen sogar bessere Testergebnisse als Männer erbringen, um überhaupt zum Studium zugelassen zu werden.

Diskriminierungsquoten werden illegal

Der "Artikel 9", der vom damaligen US-Präsidenten Richard Nixon am 23. Juni 1972 unterzeichnet wurde, machte Schluss mit dieser Benachteiligung. "Niemand soll in den Vereinigten Staaten auf Grund des Geschlechts von der Teilnahme an einem Bildungsprogramm oder sonstigen Aktivitäten, die staatliche Mittel erhalten, ausgeschlossen oder im Rahmen dieser Programme diskriminiert werden", lautet der Inhalt der Gesetzesbestimmung. Die diskriminierenden Quoten wurden damit illegal.

Mädchen- und Frauensport in den USA boomt

Die unterschiedlichen Zulassungsvorschriften für Studentinnen gehören schon seit Jahrzehnten der Vergangenheit an. Geblieben ist bis heute die fördernde Wirkung des "Artikel 9" für den Mädchen- und Frauensport an Schulen, Colleges und Universitäten. Während der Sportbetrieb früher praktisch ausschließlich von Männern dominiert war, wurden die Bildungseinrichtungen durch den "Gleichberechtigungsartikel" gezwungen, die dafür vorgesehenen Mittel gerechter zu verteilen.

Finanziell gefördert und im Bildungsbetrieb offiziell anerkannt erlebte der Mädchen- und Frauensport in den USA daraufhin einen Boom: War 1972 nur eine von 27 High-School-Schülerinnen sportlich aktiv, lag diese Rate im Jahr 2001 bei eins zu 2,5. An den Universitäten entstanden eigene Frauen-Basketball- und -Fußball-Teams auf Profi-Niveau. Auch Leichtathletik und Schwimmen erfuhren enormen Auftrieb.

Volle Gleichberechtigung nicht erreicht

Zwar garantieren bis heute laut einer Studie der Frauensportvereinigung 80 Prozent der Schulen und Colleges noch immer nicht volle Gleichberechtigung der Geschlechter, insbesondere bei den gewährten Sportstipendien haben die Männer mit einem Überhang von 133 Millionen Dollar noch immer die Nase vorn. Trotzdem hat das Gesetz nach Ansicht von Beobachterinnen die Sport-Landschaft der USA verändert und den Grundstein für viele Goldmedaillen und Weltrekorde von US-Sportlerinnen gelegt.
(APA)

In allen Sportarten konnten Frauen an US-Unis Fuß fassen. Dennoch: Gleichberechtigung bringt nur bedingte reale Chancengleichheit.
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