Kabinett ohne Frauen

24. Juni 2002, 09:45
posten

Afghanistan: Interims-Frauenministerin Samar will nicht im Amt bleiben - Regierungsmannschaft Karsais fast komplett

Kabul - Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat am Samstag die Kabinettsliste der künftigen Regierung vorgelegt. Die neue Kabinettsliste trägt vor allem dem Bemühen Karsais um ethnische Ausgewogenheit Rechnung. Vorläufig gibt es in Karsais Regierungsteam allerdings weder Frauen- noch JustizministerIn.

Unbegründet

Dass das Frauenministerium bisher überhaupt nicht besetzt wurde, blieb bislang von offizieller Seite unbegründet. Die bisherige Ministerin Sima Samar wolle nicht im Amt bleiben, sagte Karsai am Sonntag dem US-Nachrichtensender CNN. Sie hatte sich mit ihrem beherzten Eintreten gegen religiösen Extremismus und für die Rechte der Frauen aber den Zorn einiger Hardliner zugezogen. Sie soll während der Ratsversammlung auch bedroht worden sein. Simar habe sich nun für die Leitung der afghanischen Menschenrechtskommission entschieden, so Hamid Karsai, der möglicherweise am Montag seine neue Frauenministerin bekannt geben wird. Über die Besetzung des Frauenressorts sei er mit mehreren Kandidatinnen im Gespräch, unter ihnen auch in Europa lebende Frauen.

Der EU-Beauftragte für Afghanistan, Klaus-Peter Klaiber, hatte kritisiert, dass im Kabinett Karsais mit Gesundheitsministerin Sohaila Sidik nur eine Frau sitzt. Auch das Justizressort war am Sonntag noch unbesetzt. In der Übergangsregierung besetzen in Zukunft vor allem Angehörige der ehemaligen oppositionellen Nordallianz Schlüsselposten.

Relative ethnische Ausgewogenheit

Ursprünglich wollte Karsai nur 18 bis 21 Ministerien schaffen, hatte dann jedoch auf Druck der internationalen Gemeinschaft versucht, eine ethnisch ausgewogenere Regierungsmannschaft zu bilden. Dominiert wird die Regierung durch die Tadschiken der ehemaligen Nordallianz: Sie erhielten mit den Ministerien für Äußeres und Verteidigung sowie der Leitung der Geheimpolizei mehrere Schlüsselressorts. Verteidigungsminister Mohammed Kasim Fahim und Außenminister Abdullah Abdullah behalten ihre Ämter. Die Paschtunen, die mit 40 Prozent die größte Bevölkerungsgruppe stellen, fühlten sich unterrepräsentiert. Sie erhielten allerdings mit dem Innenministerium ein Schlüsselressort.

Internationale Hilfsorganisationen beklagten am Samstag die Zunehmende Rechtlosigkeit im Norden des Landes. Immer wieder würden Einrichtungen überfallen und Helfer bedroht. Wenn die Friedenstruppen daran nichts änderten, müsse die Hilfe in diesem Gebiet möglicherweise bald eingestellt werden.
(APA/AP/AFP)

Share if you care.