Männer, richtig gefärbt

24. Juni 2002, 12:36
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Bei der Besetzung der Spitzenfunktionen in der neuen Pensionsversicherung wurde qualifizierte Frau übergangen

Das old boys' network hat gehalten - gut und fest geknüpft in den richtigen politischen Farben. Denn bei der Besetzung der Spitzenfunktionen in der neuen Pensionsversicherung wurde offenbar die einzige - der ÖVP zugeordnete - Frau, die von der Personalbestellungskommission für den Posten einer Vizegeneraldirektorin als qualifiziert befunden wurde, erst gar nicht für die Endausscheidung nominiert. Wie das?

Neben offensichtlichen parteipolitischen Interessen bei der Jobvergabe dürfte auch die jahrzehntelange Männerdominanz im Bereich der Sozialversicherung den männlichen Bewerbern - wohlgemerkt: der richtigen Couleur - den entscheidenden Drive gegeben haben. Aufschlussreich ist dazu die Bewerberstruktur: Von den rund fünfzig Bewerberinnen und Bewerbern für die zu besetzenden Jobs an der Spitze des fusionierten Pensionsriesen waren bei den internen Bewerbungen, also aus dem Bereich der Sozialversicherung selbst, die Männer stark in der Überzahl. Bei den externen Bewerbungen fiel indes eine Dominanz von qualifizierten Expertinnen auf.

Geschlechtsspezifisch bereinigt

Ungeachtet des relativ hohen Frauenanteils am Start, war beim Zieleinlauf die Sache geschlechtsspezifisch wieder bereinigt. Die Pensionsversicherungsanstalt ist fest in männlicher Hand, in schwarz-blauer. Das Aussortieren der einzigen laut Personalberater als geeignet erachteten Frau sollte eigentlich Sozialminister Herbert Haupt auf den Plan rufen - in seiner Funktion als Frauenminister müsste er Aufklärung über die Umstände dieser etwas dubiosen Personalrekrutierung fordern. Drängt sich doch der Verdacht auf, dass hier eine Frau diskriminiert wurde. Eine Beschwerde vor der Gleichbehandlungskommission würde zwar die Bestellung nicht aufheben, für die übergangene Kandidatin gäbe es immerhin Schadenersatz.
(Lisa Nimmervoll)

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.6. 2002)

"Frau diskriminiert"
Pensionsversicherung: "Ein Fall für die Gleichbehandlungs-
kommission", so Öllinger
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