Kaprun: Lob aus den USA für Ermittler

24. Juni 2002, 12:07
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US-Anwalt Ed Fagan erklärte wiederholt, in den Gerichtsakten fehlten Ermittlungsergebnisse von Beamten aus den USA. Die dem STANDARD vorliegenden Schriftstücke der US-Army stützen diese Behauptungen jedoch nicht

Salzburg - Der Strafprozess gegen 16 Beschuldigte, die für die Brandkatastrophe im Stollen der Seilbahn auf das Kitzsteinhorn verantwortlich sein sollen, geht mit weiteren Einvernahmen von Beschuldigten in die zweite Woche.

Neben den Einvernahmen stehen die Entscheidungen eines Gerichtes in New York im Mittelpunkt des Interesses der Prozessbeobachter im Salzburger Kolpinghaus. Das US-Gericht muss klären, ob sich die US-Justiz für die von Katastrophenanwalt Ed Fagan eingebrachten Zivilklagen zur Causa Kaprun zuständig erklärt.

Bei der Tragödie am 11. November 2000 kamen auch acht US-Bürger ums Leben. Insgesamt will Fagan für über 120 Angehörige bis zu 500 Millionen Euro Schadensersatz erstreiten. Geklagt sind zahlreiche Firmen, die in den USA tätig sind; darunter auch Siemens.

Über Fagans Chancen, zivilrechtliche Fragen in die USA zu exportieren, wo höhere Schadensersatzsummen zu erstreiten sind als hierzulande, wird unter Österreichs Juristen heftig spekuliert. Neben formalen Argumenten - beispielsweise, dass US-Bürger in Salzburg keine Rechtsvertretung als Privatbeteiligte hätten, da im Zuge der Ladung von Fagan als Zeuge dessen österreichischer Substitut seine Vollmacht aufgekündigt hat - stehen vor allem Akten der US-Armee zur Diskussion.

Der US-Advokat hatte wiederholt behauptet, dass Untersuchungsergebnisse von Kriminalbeamten der Army von den österreichischen Behörden unterdrückt würden.

Diese Darstellung wird von der österreichischen Justiz und der Exekutive als völlig haltlos zurückgewiesen. Vorgelegt hat Fagan seine Dokumente bisher nie. Auch ein dem STANDARD vorliegendes, rund einhundert Seiten starkes Aktenkonvolut der US-Armee bestehend aus Memoranden der Militärpolizei, Namenslisten des US-Skiklubs Würzburg, Vermessungsplänen der Tauernkraftwerke, kopierten Notizen von US-Beamten sowie Listen persönlicher Gegenstände räumt die Zweifel an Fagans Version nicht aus.

In dem Material befindet sich ein sechsseitiger Bericht des in Würzburg stationierten US-Beamten Brian Rudolph vom 16. November 2000. In diesem wird unter der Berichtsnummer 0191-00-CID557 dem leitenden Kriminalbeamten, Franz Lang, sogar ausdrücklich für die Zusammenarbeit gedankt. "Die österreichischen Behörden standen der Anwesenheit und peripheren Unterstützung durch US-Personal sehr aufgeschlossen gegenüber", heißt es in einem anderen Bericht von Rudolph.

Auf der Tagesordnung der nächsten Woche steht die Befragung des stellvertretenden Betriebsleiters der Gletscherbahnen. Danach kommen zwei Techniker der Firma Swoboda an die Reihe. Ihnen wird vorgeworfen, durch den Einbau eines ungeeigneten Heizlüfters in die Seilbahn für den Tod von 155 Menschen mitverantwortlich zu sein. (Thomas Neuhold/DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2002)

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