Umfrage: Grasser ist Nummer eins

24. Juni 2002, 14:02
17 Postings

Nur der Finanzminister und Vizekanzlerin Riess-Passer haben sich verbessert

Linz - Zum Abschluss des Schuljahres (das ungefähr mit dem Parlamentsjahr zusammenfällt) gibt es auch ein Zeugnis für die Regierung: Mit 3,14 ist die Gesamtnote heuer etwas schlechter als vor einem Jahr: Damals lag die Gesamtnote bei 3,10 - im Februar 2001 war sie sogar bei 2,91.

Nur mehr drei Prozent der Österreicher würden der Regierung die Note "sehr gut" geben - allerdings sind auch die "Nicht genügend" von zuletzt neun Prozent auf fünf Prozent zurückgegangen, was market-Chef Werner Beutelmeyer für einen "Beleg für die Normalisierung der Einschätzung dieser Regierung" hält.

Die besten Noten - Schnitt 2,34 - erhält Finanzminister Karl-Heinz Grasser: 32 Prozent geben ihm ein "sehr gut" (im Vorjahr stuften ihn 26 Prozent so ein), nur zwei Prozent ein "Nicht genügend" (Vorjahr: acht Prozent). Damit ist Grasser der einzige Politiker, der seine Benotung signifikant verbessern konnte.

Außenministerin Benita Ferrero-Waldner, bei den früheren Zeugnisverteilungen immer Klassenprima, ist mit 2,81 auf den zweiten Platz gerutscht. 17 (gegenüber zuletzt 30 und nach Aufhebung der Sanktionen gar 41) Prozent der Österreicher finden sie sehr gut. Auf dem dritten Platz (mit leichter Verbesserung) liegt Susanne Riess-Passer - die Vizekanzlerin bekommt ihre guten Noten besonders in Wien und aus der eigenen Parteianhängerschaft, allerdings in beiden Befragtengruppen nicht so stark wie Grasser.

Bei den meisten Regierungsmitgliedern hat sich die Benotung verschlechtert. So geben nur mehr sieben Prozent dem Kanzler Wolfgang Schüssel ein "Sehr gut"; ein Jahr nach Regierungsantritt (Sanktionen!) hatten 20 Prozent dem Kanzler die Bestnote gegeben. Beutelmeyer: "Es fällt auf, dass auch in Schüssels eigener ÖVP wenig Bereitschaft herrscht, dem Bundeskanzler eine Spitzennote zu geben - aber das darf man nicht überbewerten. Vielmehr ist es so, dass deklarierte ÖVP-Wähler allen Spitzenleuten der eigenen Partei typischerweise reservierter gegenüberstehen, als das die Anhänger anderer Gruppierungen bei ,ihren' Leuten tun."

Ganz schlechte Noten bekommen die wenig bekannten Staatssekretäre und auch der Regierungsneuling Mathias Reichhold - dies kommt allerdings daher, dass die Noten statistisch nicht um jene Befragten bereinigt wurden, die das jeweilige Regierungsmitglied nicht kennen. Reichhold, Reinhart Wanek, Mares Rossmann, Franz Morak und Alfred Finz sind aber beinahe jedem zweiten Österreicher völlig unbekannt. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2002)

Share if you care.