Beliebte FP-Politiker: Smart zum Erfolg

23. Juni 2002, 19:07
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Ein Kommentar von Martina Salomon

Eines muss man der freiheitlichen Regierungsriege lassen: Dort wirken selbst die Bauern urbaner als die Städter in der ÖVP. Das führte der Kärntner Biobauer und Infrastrukturminister Mathias Reichhold in der sonntägigen Fernseh-Pressestunde eindrucksvoll vor. Wahrscheinlich ist es nur mehr eine Frage der Zeit, bis der Marathonläufer in den politischen Beliebtheitsrankings weiter nach vorne rückt.

Unangefochtene Nummer eins in dieser Skala ist ein weiterer Kärntner: Reichholds Parteikollege Karl-Heinz Grasser. "Smart statt hart" ist seine Devise. Das Verkünden unangenehmer Nachrichten vermeidet der Dressman der Politik tunlichst. Und während sich die schwarzen Minister unter dem Absingen altertümlicher Lieder in Tracht werfen, inszeniert sich der Finanzminister längst als jugendlich-moderner, jedoch trotzdem staatstragender Herausforderer. Von Pannen, Peinlichkeiten und Postenschacher seiner Partei unbeschädigt, gilt er als Ass im Ärmel der Freiheitlichen für die nächste Nationalratswahl. Gerade bei Jungwählern zieht das blaue Politikerdesign.

Unter den ÖVP-Politikern gewinnt derzeit nur die Außenministerin jede Kür zum beliebtesten Regierungsmitglied - was sie zweifellos dazu qualifiziert, in zwei Jahren als Präsidentschaftskandidatin ins Rennen geschickt zu werden. Das an ihr schon gesichtete Dirndlkleid statt des üblichen Diplomatinnen-Chanel-Rosa ist in diesem (und nur in diesem) Zusammenhang gerade noch verzeihlich.

Nummer vier im STANDARD-Regierungsranking ist ein schwarzer Mann vom Land, der sich wohl kaum mit Ziehharmonika ertappen ließe: Ernst Strasser. Tadellose Anzüge, unverbindliches Lächeln: Das wirkt in der Mediengesellschaft offenbar unwiderstehlich - gleichgültig, welche Politik dahinter steckt. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2002)

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