"Tango-Krise" reißt ganz Lateinamerika mit

23. Juni 2002, 19:32
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UNO erwartet überall Verschlechterung

Mexiko-Stadt - Die Argentinien-Krise hält Lateinamerika weiter in Atem. Nicht nur, dass die Negativnachrichten aus dem zahlungsunfähigen Pampastaat nicht abreißen - auch andere Länder des Subkontinents spüren den so genannten "Tango-Effekt", der auf die nationalen Wechsel-und Aktienkurse drückt.

So musste nun das kleine Nachbarland Uruguay abwerten; und auch der große Nachbar Brasilien gerät in eine bedenkliche Schieflage. In Argentinien, das Ende vorigen Jahres den Schuldendienst auf den größten Teil seiner Auslandsverbindlichkeiten einstellte, zeichnet sich noch kein Ausweg aus der Krise ab. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Argentiniens fiel im ersten Quartal 2002 um 16,3 Prozent. Bisher konnte auch keine Übereinkunft zwischen Buenos Aires und dem IWF über neue Kredite erzielt werden. Der IWF verlangt von Argentinien unter anderem Strukturreformen in der Verwaltung, damit neue Gelder nicht in einem Fass ohne Boden verschwinden.

Instabilität schlägt durch

Die Instabilität in Argentinien schlägt auf den Nachbarn Brasilien durch, wo Pessimisten inzwischen ebenfalls die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit sehen. Der Bovespa-Index der Börse von Sao Paulo fiel am Freitag auf den niedrigsten Stand seit September vorigen Jahres. Nach Einschätzung der Cepal, der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika, wird die Wirtschaft des gesamten Subkontinents wegen der Argentinien-Krise in diesem Jahr stagnieren oder schrumpfen. Die Auffassung, man könne die Argentinien-Krise ignorieren, ist völlig haltlos", sagte der Cepal-Exekutivsekretär José Antonio Ocampo.

Das bekommt nun sogar Mexiko zu spüren, das bisher noch als "sicherer Hafen" in Lateinamerika galt. Mit der leichtfertigen Äußerung, dass in Mexiko ohne ein besseres Steuersystem mittelfristig eine Krise wie in Argentinien drohe, schockte Finanzminister Francisco Gil Diaz die Märkte. Der Peso verlor zwei Prozent an Wert und fiel auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. (dpa, DER STANDARD, Printausgabe 24.6.2002)

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