Bank Austria beruft gegen Geldstrafe

24. Juni 2002, 11:38
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Ehrgeizige Pläne in Mittel- und Osteuropa

Wien - Trotz der saftigen Geldstrafe durch die EU-Kommission verteidigte Bank-Austria-Generaldirektor Gerhard Randa den so genannten Lombard-Club, in dessen Rahmen die wichtigsten Bankenchefs des Landes Absprachen über Kreditkonditionen trafen. Es habe sich dabei um eine "innerösterreichische Gepflogenheit" gehandelt. Schließlich hätten an den Gesprächen auch Vertreter des Finanzministers, der Notenbank und der Wirtschaftskammer Österreich teilgenommen.

Gegen die Strafe, die die Bank Austria, wie berichtet, mit 30,38 Mio. Euro belastet, kündigte er Berufung bei den europäischen Instanzen an. Die Anwälte prüften derzeit alle rechtlichen Aspekte. Ebenso geprüft würden auch gerichtliche Schritte gegen den Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, der den Banken vorwarf, sie hätten ihre Kunden "in betrügerischer Weise abgezockt".

Randa, der seit 1. April dieses Jahren nicht nur im Vorstand der HypoVereinsbank (HVB), sondern auch der Bank Austria für die Reformstaaten Mittel- und Osteuropas zuständig ist, strebt in jedem einzelnen dieser Länder einen Marktanteil von mindestens zehn Prozent an.

Ziel erreicht

In Polen, wo die Zusammenlegung der Töchter von Bank Austria und HVB bis Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein soll, sei dieses Ziel bereits erreicht. Auch in Kroatien sei nach dem Erwerb der Splitska Banka, in die die HVB Croatia eingegliedert werden soll, die Zehn-Prozent-Marke in Reichweite.

Durch Zukäufe wachsen will die Bank Austria in Tschechien. Sie will die Anteile der Berliner Bankgesellschaft an der Zivnos Stenska, der neuntgrößten Bank des Landes (1,6 Mrd. Euro Bilanzsumme, 30 Geschäftsstellen), erwerben. Damit würde die tschechische Tochter der Bank Austria (vier Mrd. Euro Bilanzsumme, 24 Geschäftsstellen) ihre Position als Nummer vier im Lande festigen und ihr Marktanteil würde von knapp sechs Prozent auf etwa acht Prozent steigen.

Chancen bei Biochim

Ebenfalls am Ball ist die Bank Austria derzeit in Bulgarien, wo sie gute Chancen auf den Erwerb der Biochim Banka, mit 300 Mio. Euro Bilanzsumme und 155 Geschäftsstellen viertgrößte Bank des Landes, hat. Die Entscheidung darüber soll in den nächsten Wochen fallen. Auch hier käme die Bank Austria im Falle des Erfolges auf einen Marktanteil von rund acht Prozent.

In Rumänien ist die Bank Austria am Erwerb der Banca Comerciala Romania, der größten Bank des Landes, interessiert. "Wir besorgen uns jedenfalls die Unterlagen, ob ein Angebot gelegt wird, ist offen", sagte Randa.

Ertragskomponente

Dass die Bank Austria mit einigen Offerten den Kürzeren gezogen hat - in der Slowakei verlor sie das Rennen um die Ceská sporitelna gegen die Erste Bank und den Wettlauf um die Istrobanka gegen die Bawag - stört Randa nicht. "Wir haben zu Preisen angeboten, die Sinn machen. Und auch in Zukunft werden wir kein Angebot abgeben, das unsere Bilanz fünf Jahre belastet", gibt er der Ertragskomponente Vorrang.

Gerüchte über einen baldigen Verkauf der Tochter SKWB Schoellerbank wies der Bank-Austria-Chef zurück. "Es gibt Kunden, die wollen nicht bei einer Großbank sein, sondern bei einem kleinen, elitären Institut", meinte er. Außerdem sei die Eigenkapitalrendite der SKWB Schoellerbank besser als die der Bank Austria. Die beiden Kapitalanlagegesellschaften des Konzerns, die HVB-Tochter Activest und die Bank-Austria-Tochter Capitalinvest werden weiterhin rechtlich selbstständig bleiben, sagte Randa. Durch personelle Verschränkungen über den Aufsichtsrat sollen aber einheitliche Veranlagungsrichtlinien sichergestellt werden. (Günter Baburek, DER STANDARD, Printausgabe 24.6.2002)

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