Holzmann-Zerschlagung kaum noch abzuwenden

25. Juni 2002, 15:13
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Niederländischer Baukonzern Heijmans zieht sich zurück

Frankfurt - Die Zerschlagung der insolventen Philipp Holzmann AG ist kaum noch abzuwenden. Der Versuch des Insolvenzverwalters Ottmar Hermann, wenigstens größere Einheiten des Inlandsgeschäfts zu verkaufen, sind vorerst gescheitert. In der Nacht zum Dienstag hat der niederländische Baukonzern Heijmans überraschend seine Verhandlungsbereitschaft zurückgezogen. Dies bestätigte Hermann am Dienstag in Frankfurt.

Für die Übernahme der Niederlassungen Frankfurt, Düsseldorf und München hat nach dpa-Informationen bereits ein konsensfähiger Vorvertrag bestanden. Dieser hätte rund 620 Holzmännern sichere Arbeitsplätze verschafft. Heijmans begründete den Rückzug mit nicht kalkulierbaren Risiken. Darüber hinaus habe mit den Banken keine Einigung über die Finanzierung der zu übernehmenden Holzmann-Aktivitäten erreicht werden können.

Verkauf der Auslandsengagements unter Dach und Fach

Im Gegensatz zum niederländischen Part ist die Übernahme des Auslandsengagements der Philipp Holzmann AG (ohne USA) so gut wie unter Dach und Fach. Die entsprechenden Verträge dazu sollen am Mittwoch mit der algerischen Khalifa-Gruppe unterzeichnet werden.

Der Insolvenzverwalter geht aktuell nicht davon aus, dass im Inland noch eine große Lösung möglich ist, um viele Arbeitsplätze zu erhalten. Hermann steht zwar für eine mögliche zweite Runde mit Heijmans zur Verfügung, er will aber nun auch mit anderen Interessenten sprechen. Dies wird aber eher auf den Verkauf einzelner Komplexe hinauslaufen.

Mitarbeiter verlassen Unternehmen

Eine Ursache der immer schwieriger werdenden Lage bei Holzmann ist auch der Faktor Zeit. Vor allem sehr qualifizierte Beschäftigte verlassen das insolvente Unternehmen und vergrößern damit auf den Baustellen die zu bewältigenden Probleme. Insolvenzverwalter Hermann will deshalb alles daran setzen, den Baubetrieb "geordnet weiter zu führen". Für Arbeitnehmer ohne Alternative besteht zunächst die Möglichkeit, befristet in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln. Sie wurde mit der Unterstützung der Holzmann-Gläubigerbanken etabliert.

Angesichts der ohnehin prekären Lage in der deutschen Bauwirtschaft wären die übrigen Konzerne froh, wenn der einstige Riese Holzmann ganz verschwände. Derzeit schreibt auch die Konkurrenz im Inlandsgeschäft durchweg rote Zahlen. (APA/dpa)

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