Schiffahrtsdrama in der Antarktis: Rettung naht

24. Juni 2002, 12:15
posten

Südafrikanisches Versorgungsschiff soll am Dienstag die "Magdalena Oldendorff" erreichen

Johannesburg/Buenos Aires - Das in der Antarktis festsitzende deutsche Schiff "Magdalena Oldendorff" mit 107 Menschen an Bord kann bereits am Dienstag auf Hilfe aus der Luft hoffen. Das südafrikanische Versorgungsschiff "SA Agulhas" sei in Richtung Antarktis unterwegs und werde wohl am Dienstag früh den Eisgürtel erreichen, teilte das Umweltministerium Südafrikas am Sonntag mit. Aus dann 180 Meilen (335 Kilometern) Entfernung könnten die beiden Bordhubschrauber Nahrung zum Schiff bringen und notfalls Eingeschlossene mitnehmen.

Am Dienstag soll auch der argentinische Eisbrecher "Almirante Irizar" mit etwa 160 Mann Besatzung zu dem deutschen Schiff starten, der im Gegensatz zum südafrikanischen Schiff bis zu sieben Meter starkes Eis brechen und möglicherweise direkt bis zu den Eingeschlossenen vordringen kann. Das Schiff werde 15 bis 20 Tage brauchen, hieß es. Insgesamt sind nach Informationen der Marine in Buenos Aires zwölf Schiffe zur "Magdalena Oldendorff" unterwegs. Die anderen würden jedoch noch erheblich länger brauchen. Zuvor hatte es geheißen, der argentinische Eisbrecher werde schon am Sonntag starten.

Die Eissituation verändere sich jeden Tag aufs Neue, hieß es in Südafrika. Auf die Frage, was die Eingeschlossenen am ehesten haben möchten, antwortete der zuständige Schiffsoffizier per Satellitenfunk: "Zigaretten, Zucker, Butter und dann Kaffee." Nach seinen Angaben gibt es genug Reis und Fleisch, um alle ausreichend zu ernähren. Der rationierte Proviant würde bis zum 15. Juli reichen, die Stimmung an Bord sei weiter gut.

Der Einsatz mitten im Winter der Südhalbkugel wurde als "extrem riskant" eingestuft, hieß es in Buenos Aires. Wegen der extrem rauen Witterung, eisiger Temperaturen und nur wenigen Stunden Licht pro Tag sei auch der Start der Hubschrauber "sehr kompliziert", sagte der Marinesprecher. Bei den 107 Menschen an Bord handelt es sich vorwiegend um russische Wissenschafter und Seeleute. Trotz der widrigen Witterungsbedingungen bestehe keine akute Gefahr, hatte der Sprecher der Lübecker Reederei Oldendorff Carriers, Peter Bagh, versichert. (APA/dpa)

Share if you care.