Abschied von Fritz Walter

23. Juni 2002, 15:56
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Die Trauerfeier für das verstorbene Idol zeigte noch einmal die Bedeutung, die der Kicker aus Kaiserslautern für die Deutschen erlangte

Kaiserslautern - Deutschland nahm am Sonntag in Kaiserslautern bei strahlendem Sonnenschein Abschied von Fußball-Idol Fritz Walter. Der Weltmeister von 1954 und Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft war am vergangenen Sonntag im Alter von 81 Jahren gestorben. Der Kapitän der legendären WM-Elf und des 1. FC Kaiserslautern liebte besonders Regenwetter, wenn er in seiner aktiven Zeit die Fußballschuhe schnürte. Auch daran wurde in den zahlreichen Reden erinnert, die während der einstündigen Feier im nach ihm benannten Stadion am Betzenberg gehalten wurden.

Ob DFB-Präsident Gerhard Meyer-Vorfelder, der seinen Aufenthalt in Korea beim laufenden WM-Turnier unterbrochen hatte, Bundesinnenminister Otto Schily oder der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck - sie alle priesen die unvergleichlichen Qualitäten des Menschen und Sportlers Fritz Walter.

Zu seinen Ehren hatten sich in den Sitzreihen der Nordtribüne Fußballprominenz versammelt: Mit Bruder Ottmar, Horst Eckel und Hans Schäfer drei der noch lebenden Matadore des "Wunders von Bern", dazu auch mit Gyula Grosics und Jeno Buzansky zwei aus jener ungarischen (Wunder)Mannschaft, die 1954 im Finale sensationell den von Kapitän Walter geführten Deutschen unterlegen war. Auch Uwe Seeler, Ehrenspielführer wie Walter und Beckenbauer, war nach Kaiserslautern geeilt, dazu Günter Netzer, Wolfgang Overath, Otto Rehagel, Klaus Toppmöller, Andreas Brehme und etliche andere klangvolle Namen der deutschen Fußballnation.

Auf der Videowand über der Fankurve waren noch einmal die unvergesslichen Bilder vom Triumph von 1954 zu sehen. Keiner der Redner vergaß, auf die große Wirkkraft dieses so unerwarteten sportlichen Sieges zu verweisen, der ungeheueren Jubel in der noch vom Krieg traumatisierten Nation hervorgerufen hatte.

Als kurz vor 12.00 Uhr das Polizei-Orchester Rheinland-Pfalz die Nationalhymne zu Ehren des verstorbenen Fritz Walter intonierte, erhoben sich die etwa 8.000 Besucher und Gäste im Stadion auf dem Betzenberg und sangen bewegt mit. Den "Alten Fritz", das wissen jene, die ihn kannten und liebten, hätte das alles sehr verlegen gemacht. Aber gefreut hätte er sich natürlich auch. (APA/AP)

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