Diesmal durfte Rubens

24. Juni 2002, 02:27
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Barrichello siegte auf dem Nürburgring vor Michael Schumacher, der den WM-Sieg praktisch schon in der Tasche hat

Nürburg - Rubens Barrichello hat am Sonntag auf dem Nürburgring nach dem Hockenheim-Triumph im Jahr 2000 den zweiten Formel-1-Sieg seiner Karriere gefeiert. Der Brasilianer gewann den Grand Prix von Europa vor seinem Ferrari-Teamkollegen und vierfachen Weltmeister Michael Schumacher, der trotzdem der eigentliche Sieger des Rennens war. Der 33-jährige Deutsche, der heuer mit sechs Siegen, zwei zweiten Plätzen und einem dritten Rang stets den Sprung aufs Podest geschafft hat, liegt nun in der WM nach neun von 17 Rennen schon 46 Punkte vor seinem ersten Verfolger, Bruder Ralf, der sich im Williams-BMW im Heimrennen hinter dem finnischen McLaren-Mercedes-Piloten Kimi Räikkönen mit Rang vier begnügen musste. "Pole-Mann" Juan Pablo Montoya aus Kolumbien (Williams-BMW) schied in der 28. Runde aus.

Ferrari auch strategisch überlegen

Nach einem vorsichtigen Start arbeitete sich Michael Schumacher bis zur dritten Runde von der vierten auf die zweite Position hinter seinen Teamkollegen Barrichello vor, während der kolumbianische "Pole-Mann" Juan Pablo Montoya von eins auf vier durchgereicht wurde. Der Grund für diesen schnellen Rückfall der Williams-BMW - Ralf Schumacher hatte kurz nach dem Start geführt, fiel dann aber an die dritte Stelle zurück - war die rennentscheidende Boxenstrategie: Die auf zwei Stopps ausgerichteten Ferraris waren leichter und damit um bis zu zwei Sekunden pro Runde schneller als als die Konkurrenten.

In Runde 20 hatte "Schumi II" schon eine halbe Minute Rückstand auf die beiden roten Boliden, die der Konkurrenz auf und davon flogen. Doch in der 23. Runde übertrieb es Michael Schumacher bei seiner Hetzjagd, als ihm in der Passage vor der Boxeneinfahrt das Heck ausbrach. Nach einer 180-Grad-Drehung fing der Rheinländer aber sein Auto noch mit Bravour ab und fuhr mit elf Sekunden Rückstand auf Barrichello eine Runde später zum planmäßigen ersten Stopp an die Box, wo er so wie wenig später auch sein Teamkollege in perfekten 8,6 Sekunden abgefertigt wurde. Damit blieben die beiden von den Tifosi als "Rote Göttinen" gepriesenen F2002 problemlos an der Spitze.

Montoya schubste sich und Coulthard raus

Während Schumacher in der Folge zum nächsten wilden Angriff auf den Brasilianer blies, war das Rennen für Montoya in der 28. Runde nach einer Kollision mit dem schottischen McLaren-Mercedes-Piloten David Coulthard in der ersten Kurve nach der Zielgeraden, wo dem Kolumbianer auf Grund fehlenden Grips das Heck ausbrach, ebenso wie für seinen "Gegner" vorzeitig zu Ende. Damit brachte dem Südamerikaner auch seine dritte Pole in Serie kein Glück, schied er doch zum dritten Mal in Folge aus. An der Spitze fiel die Entscheidung zehn Runden vor dem Ende, als die beiden haushoch überlegenen Barrichello und Schumacher, der nur mehr eine knappe Sekunde Rückstand hatte, von Ferrari angewiesen wurden, das Rennen ohne Positionswechsel sicher nach Hause zu fahren.

"Meine Zeit wird kommen. Ich glaube an Gott, und ich glaube an Ferrari", jubelte Barrichello nach seinem Erfolg. "Das war ein fantastisches Rennen. Nachdem es in der ersten Runde so gut gelaufen war, konnte ich vorne weg fahren. Das war die Grundlage zum Sieg, dazu ist auch mein Auto super gelaufen."

Dem geschlagenen Michael Schumacher war die Enttäuschung anzumerken, wollte er doch gerade vor eigenem Publikum unbedingt gewinnen: "Ich habe alles versucht, um Rubens noch vor dem ersten Boxenstopp zu überholen. Das ist leider schief gegangen. Danach habe ich alles gegeben, doch Rubens war heute einfach besser und hat verdient gewonnen", betonte "Schumi I", der nun theoretisch sogar bereits am 21. Juli in Magny Cours zum fünften Mal als Champion feststehen und damit den Titelrekord des legendären Argentiniers Juan Manuel Fangio (1951 und 1954 bis 1957) egalisieren könnte. (APA)

Resultat GP von Europa auf dem Nürburgring

 1. Rubens Barrichello (BRA) Ferrari 1:35:07,426 
(Schnitt 194,741 km/h)

2. Michael Schumacher (GER) Ferrari + 0,294 3. Kimi Räikkönen (FIN) McLaren-Mercedes + 46,435 4. Ralf Schumacher (GER) Williams-BMW + 1:06,963 5. Jenson Button (GBR) Renault + 1:16,943 6. Felipe Massa (BRA) Sauber-Petronas + 1 Runde 7. Nick Heidfeld (GER) Sauber-Petronas + 1 Runde 8. Jarno Trulli (ITA) Renault + 1 Runde 9. Olivier Panis (FRA) BAR-Honda + 1 Runde 10. Enrique Bernoldi (BRA) Arrows-Cosworth + 1 Runde 11. Pedro de la Rosa (EEP) Jaguar-Cosworth + 1 Runde 12. Jacques Villeneuve (CAN) BAR-Honda + 1 Runde 13. Heinz-Harald Frentzen (GER) Arrows-Cosworth + 1 Runde 14. Allan McNish (GBR) Toyota + 1 Runde 15. Mark Webber (AUS) Minardi-Asiatech + 2 Runden 16. Takuma Sato (JPN) Jordan-Honda + 2 Runden

Schnellste Runde: Michael Schumacher (26. Runde) 1:32,226

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