Milosevic als Sozialistenchef abgelöst

24. Juni 2002, 14:30
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Ex-Präsident bleibt Ehrenvorsitzender - Ivkovic neuer Parteichef - Spaltung der SPS besiegelt

Belgrad - Fast ein Jahr nach seiner Auslieferung an das Haager UNO-Kriegsverbrechertribunal ist der ehemalige jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic als Chef der Sozialistischen Partei Serbiens (SPS) abgelöst worden. Das beschloss am Sonntag ein außerordentlicher Parteitag in Belgrad, der allerdings nur einen Teil der inzwischen gespaltenen SPS repräsentierte. Zum Nachfolger von Milosevic wählten die fast 2000 Delegierten am Abend den ehemaligen Minister Branislav Ivkovic.

Der ranghohe SPS-Funktionär Ivkovic war vor einigen Monaten aus der Partei ausgeschlossen worden. Milosevic bleibe weiter Ehrenvorsitzender der Partei, meldete der Belgrader Sender BK-TV.

Der Parteitag unter dem Motto "Zurück zur Basis" war von abtrünnigen Parteikadern und auf Wunsch von Milosevic aus der SPS ausgeschlossenen Funktionären organisiert worden. Diese verstehen sich dennoch als die wahren Anhänger von Milosevic und wollen die "Grundideen" der Partei nach den Wahlniederlagen vor zwei Jahren erneuern. Mit den Parteitagsbeschlüssen wurde die Spaltung der SPS besiegelt.

"Politischer Einfluss zerstört"

"Die Sozialistische Partei ist von ihrem Weg abgekommen", sagte SPS-Mitglied Mihajlo Markovic bei der Eröffnung des Parteitags in Belgrad. "Sie ist überwältigt worden von einer diktatorischen und autoritären Politik. Die früherer Führung hat den politischen Einfluss der Partei zerstört."

Die von Milosevic unterstützte Fraktion will ihren Kongress im September abhalten. Zarko Obradovic, stellvertretender Vorsitzender der "offiziellen" SPS bezeichnete den Parteitag als "gescheiterten Putschversuch". Dies sei nur ein "Privattreffen" von Ivkovic gewesen, der ein "falscher und selbst ernannter Parteichef" sei, sagte Obradovic dem Sender Studio B.

Milosevic ist seit Juni vergangenen Jahres wegen Kriegsverbrechen vor dem Haager UNO-Tribunal angeklagt. Er nominierte Mikro Marjnaovic als seinen Stellvertreter. (APA/dpa/AP)

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