Mehr als 200 Tote bei Überschwemmungen in Südrussland befürchtet

24. Juni 2002, 13:27
posten

Bis Sonntag rund 50 Leichen geborgen - 180 Menschen vermisst

Moskau - Bei den schweren Überschwemmungen im Süden Russlands sind möglicherweise mehr als 200 Menschen ertrunken. Rund 50 Tote wurden bis Sonntag geborgen, wie das Katastrophenschutzministerium in Moskau mitteilte. Etwa 180 Menschen würden in der Region Stawropol an der Grenze zu Tschetschenien vermisst, sie seien vermutlich tot, erklärte das Innenministerium.

Mehr als 75.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Russlands Präsident Wladimir Putin ordnete an, in Tschetschenien stationierte Soldaten in das Katastrophengebiet zu entsenden. Im nördlichen Kaukasus hatte es in zwei Tagen so viel geregnet wie sonst in drei Monaten. Meteorologen sagten weitere heftige Regenfälle voraus.

Mindestens 33 Menschen starben in der Region Stawropol. Die meisten Opfer gab es laut Polizei in der bergigen Jessentuki-Region rund 200 Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt. Zehn weitere Menschen starben in der Provinz Karatschajewo-Tscherkesk, jeweils einer in den Nachbarrepubliken Tschetschenien, Dagestan, Kabardino-Balkarien, wie russische Medien unter Berufung auf das Katastrophenschutzministerium berichteten. Binnen 24 Stunden wurden Hunderte Verletzte in die Krankenhäuser der Region eingeliefert.

In der tschetschenischen Hauptstadt Grosny starb am Samstag ein Mann, als der Fluss Sunscha das Stadtviertel Leninski überschwemmte. Stromleitungen wurden unterbrochen, die in den vergangenen Jahren zerbombten Straßen verwandelten sich in reißende Flüsse.

In der Ortschaft Assinowskaja nahe Grosny waren 420 Häuser von den Fluten eingeschlossen, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete. Auch im Bezirk Gudermes im Osten der Provinz wurden mehr als 300 Häuser von den Überschwemmungen in Mitleidenschaft gezogen. Zehntausende Tschetschenen saßen in den Bergen fest, viele brachten sich vor dem steigenden Hochwasser auf Dächern in Sicherheit. Auch russische Armeeeinheiten saßen laut Interfax in dem überfluteten Gebiet fest.

Putin beriet in Moskau mit Ministerpräsident Michail Kasjanow und mehreren Ministern über die Lage. Verteidigungsminister Sergej Iwanow wurde beauftragt, alle "verfügbaren Mittel und Kräfte" der in Tschetschenien stationierten Truppen für die Rettungsarbeiten abzustellen. Katastrophenschutz-Minister Sergej Schoigu reiste in die Region, um die Hilfs- und Rettungsarbeiten zu beaufsichtigen. Besonders in bergigen Regionen im Süden der Provinz wurden die Arbeiten jedoch durch die Fluten und weggerissene Brücken erheblich behindert. Die örtlichen Rettungsmannschaften seien zudem äußerst schlecht ausgerüstet. Die Sachschäden beliefen sich nach offiziellen Angaben auf umgerechnet 33 Millionen Euro. Augenzeugen zufolge handelt es sich um die schwersten Überschwemmungen seit 1937.(APA)

Share if you care.