USA bieten dem Iran nach Erdbeben humanitäre Hilfe an

23. Juni 2002, 12:28
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Bush: "Menschliches Leiden kennt keine politischen Grenzen"

Washington/Changoureh - US-Präsident George W. Bush hat dem Iran nach dem schweren Erdbeben mit mindestens 500 Toten humanitäre Hilfe angeboten. "Menschliches Leiden kennt keine politischen Grenzen", sagte Bush am Samstag. "Wir sind bereit, den Menschen im Iran zu helfen, wenn es notwendig ist und gewünscht wird." Im Nordiran befürchteten Behörden und Hilfsorganisationen unterdessen einen weiteren Anstieg der Opferzahlen.

Aus US-Regierungskreisen verlautete, die humanitäre Hilfe könne Nahrungsmittel und Medikamente umfassen. Die USA haben strikte Sanktionen gegen den Iran verhängt. Bush hatte den Iran zusammen mit dem Irak und Nordkorea als Achse des Bösen bezeichnet. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte dem Land vorgeworfen, Nuklearwaffen zu entwickeln und El-Kaida-Kämpfern, die aus Afghanistan geflüchtet seien, Unterschlupf zu gewähren. Die USA machen den Moslem-Extremisten Osama bin Laden und seine Organisation El Kaida für die Anschläge vom 11. September verantwortlich.

Die Nachricht über das Erdbeben habe ihn betrübt, sagte Bush. Er sprach den betroffenen Familien sein Beileid aus. Die USA hatten ihre Beziehungen zum Iran 1980 abgebrochen, nachdem Revolutionäre in der US-Botschaft in Teheran 52 US-Bürger 444 Tage lang als Geiseln festgehalten hatten.

Verlässliche Angaben über Tote und Verletzte würden erst später am Sonntag verfügbar sein, teilte die Hilfsorganisation Roter Halbmond mit. Behörden hatten die Zahl der Opfer des Bebens am frühen Samstagmorgen zunächst auf mindestens 500 beziffert. Durch das Beben der Stärke 6,3 auf der Richterskala wurden nach Angaben des Roten Halbmondes 5000 Häuser vollständig zerstört. 25.000 Menschen seien obdachlos geworden. Mindestens vier schwere Nachbeben hätten weitere Schäden verursacht.

Das Epizentrum lag bei der Ortschaft Awadsch rund 200 Kilometer westlich der Hauptstadt Teheran. Die örtlichen Behörden in der Region teilten mit, mehr als 1500 Menschen seien verletzt worden. Fast 60 Dörfer um Awadsch bei Kaswin, der Hauptstadt der Provinz Sandschan, seien durch die Erdstöße verwüstet worden, meldete die Nachrichtenagentur IRNA. Rettungsmannschaften suchten in den eingestürzten Häusern nach Verschütteten. Entlegene Dörfer konnten von den Helfern zunächst nicht erreicht werden. Unter den Opfern waren vor allem Frauen , Kinder und Ältere, weil die Männer zum Zeitpunkt des Bebens zumeist auf den Feldern und in den Weinstöcken arbeiteten.

In dem Dorf Changureh, 30 Kilometer nördlich von Awadsch, lagen rund 150 Leichen eingehüllt in Decken auf einem Platz.In Esmailabad zehn Kilometer nördlich von Awadsch wurden am Samstag 38 Leichen aus den Trümmern geborgen. Erdbeben sind im Iran wegen des Zusammentreffens mehrerer Erdplatten nicht selten. Im Osten Irans waren im Mai 1997 bei einem Erdbeben der Stärke 7,1 mehr als 1500 Menschen ums Leben gekommen.(APA/Reuters)

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