Israel beruft Reservisten ein: Einsatz in Palästinensergebieten

23. Juni 2002, 13:42
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Arafat begrüßt EU-Nahost-Erklärung - Israel hält Palästinenser-Städte weiter besetzt

Jerusalem/Gaza - Angesichts anhaltender Militäroperationen in den Palästinensergebieten wird die israelische Armee am Sonntag mit der Einberufung von Reservisten beginnen. Das berichtete der israelische Rundfunk in der Nacht. Während einige Reservisten den Einberufungsbescheid für Sonntag früh bereits erhalten hätten, seien andere informiert worden, dass sie in naher Zukunft damit zu rechnen hätten. Wie es hieß, sollen die Reservisten die bereits in den Palästinensergebieten operierenden Truppen unterstützen.

Nach Berichten des israelischen Armee-Senders wird der Einsatz in den Palästinensergebieten noch "einige Zeit" andauern. Über die Einberufung weiterer Reservisten müsse anhand der aktuellen Lage entschieden werden. Nach einer Serie von palästinensischen Selbstmordanschlägen hatte das israelische Sicherheitskabinett am Freitag beschlossen, dass die Militäroperationen in den Palästinenserstädten fortgesetzt und Reservisten mobilisiert werden.

Arafat: EU soll Druck auf Israel ausüben

Unterdessen hat Palästinenserpräsident Yasser Arafat die Erklärung der EU-Staats- und Regierungschefs zum Nahostkonflikt begrüßt. In einer von der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa in der Nacht zum Sonntag verbreiteten Erklärung forderte Arafat die EU zugleich auf, Druck auf Israel auszuüben, um die Militäraktionen und die Wiederbesetzungen der palästinensischen Gebiete zu stoppen. Arafat unterstrich erneut sein Festhalten an einer umfassenden, auf internationalen Resolutionen und dem Prinzip "Land gegen Frieden" beruhenden Friedensregelung.

EU spricht sich für rasche Einberufung einer Nahost-Konferenz aus

In ihrer Abschlusserklärung zum Gipfeltreffen im spanischen Sevilla hatten die EU-Staats- und Regierungschefs sich am Samstag für die rasche Einberufung einer Nahost-Konferenz ausgesprochen. Zugleich verurteilten sie die Terroranschläge gegen israelische Zivilisten. Ziel bleibe die Beendigung der Besetzung palästinensischer Gebiete und die baldige Schaffung eines "demokratischen, existenzfähigen und friedlichen souveränen palästinensischen Staates auf Grundlage der Grenzen von 1967". Im Endergebnis sollten zwei Staaten - Israel und Palästina - innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen in Frieden nebeneinander leben, hieß es in der Abschlusserklärung.

Hochrangiger Palästinenser festgenommen

Bei ihrer Offensive in den autonomen Palästinensergebieten hatte die israelische Armee am Samstag bei Ramallah mit Mohammed Lutfi ein hochrangigen Mitarbeiter des palästinensischen Innenministeriums festgenommen. Lutfi gehört zur Fatah-Bewegung von Arafat. Israelische Einheiten operierten außerdem in Bethlehem, Jenin, Tulkarem, Kalkilia, im Süden von Hebron sowie in Stadtteilen von Nablus.

Der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer hat unterdessen sein "Bedauern" über die Militäraktion in Jenin geäußert, bei der am Freitag vier palästinensische Zivilisten getötet worden waren. Der Minister habe eine Untersuchung des Vorfalls angeordnet, sagte Ben-Eliezers Sprecher am Samstag. Nach einem Bericht des israelischen Rundfunks beauftragte der Verteidigungschef die Armee mit der Klärung der Hintergründe.

Israelische Armee eröffnet Feuer auf einem Markt in Jenin

Israelische Panzer hatten am Freitag nach palästinensischen Angaben das Feuer auf einen Markt im Zentrum von Jenin im Westjordanland eröffnet. Vier Menschen starben, darunter ein sechsjähriges Mädchen und zwei Brüder im Alter von sechs und zwölf Jahren. Etwa 20 weitere Menschen wurden verletzt. Die Armee räumte einen "Irrtum" ein. Nach ihren Angaben hatte die Menge "die Ausgangssperre verletzt". Palästinensische Sicherheitskräfte sagten dagegen, das Verbot sei zuvor aufgehoben worden.

Die israelische Armee hält Jenin seit Mittwoch besetzt. Insgesamt brachte sie sechs der acht autonomen Palästinenserstädte im Westjordanland unter vollständige oder teilweise Kontrolle. Die Armee reagierte damit auf zwei palästinensische Selbstmordattentate mit insgesamt 26 getöteten Israelis und einen Überfall auf eine jüdische Siedlung mit fünf Toten.(APA/dpa)

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