Bertelsmann will keine Gewalt-Computerspiele mehr verkaufen

22. Juni 2002, 21:53
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Konzern-Chef fordert Selbstverpflichtung von Medien

Deutschlands größter Medienkonzern, die Bertelsmann AG, will nach den Worten von Vorstandschef Thomas Middelhoff auf den Verkauf gewaltorientierter Computerspiele verzichten. Die Medien sollten sich selbst verpflichten, bei der Darstellung von Gewalt bestimmte Grenzen nicht zu überschreiten, sagte Middelhoff am Samstag bei der Verleihung des Medienpreises der Johanna-Quandt-Stiftung in Gravenbruch bei Frankfurt am Main.

"Tiefe Abneigung

"Ich habe eine tiefe Abneigung gegen solche Computerspiele", sagte Middelhoff. "Das ist ein gewichtiger Grund dafür, warum sie nicht Teil unseres Portfolios sind, obwohl man mit ihnen wirklich gut verdienen kann." Als Reaktion auf den Amoklauf eines ehemaligen Schülers des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums Ende April forderte der Bertelsmann-Chef eine gemeinsame Initiative von Medien, Eltern und Lehrern gegen die Darstellung von Gewalt.

Wenn der Erfolg bei derartigen Spielen davon abhänge zu töten, sinke die Hemmschwelle, Gewalt auch im wirklichen Leben einzusetzen, sagte Middelhoff, zu dessen Medienunternehmen auch der Fernsehsender RTL gehört. "Selbst wenn wir in Zukunft stärker mit Verboten agieren würden, so präsentiert sich das Internet immer noch als unerschöpfliche Quelle illegaler, größtenteils auch privat produzierter Hassmusik oder brutaler Videospiele, die nur sehr schwer in den Griff zu kriegen sind." Deshalb müssten die Lehrer dazu beitragen, dass ihre Schüler bei der Auswahl von Angeboten aus dem Internet aufgeklärt und kompetent vorgehen. "Aber vor allem die Eltern müssen ihre Verantwortung tragen. Sie sollten den Medienkonsum ihrer Kinder kritisch begleiten", forderte Middelhoff.

Runder Tisch

Nach dem Amoklauf von Erfurt hatten sich Politik und Vertreter der Medien bereits auf die Einrichtung eines Runden Tisches zur Gewalt in den Medien verständigt. In der Wohnung des 19-jährigen Todesschützen von Erfurt hatte die Polizei zahlreiche Gewalt verherrlichende Videofilme und Computerspiele gefunden. (APA/Reuters)

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