Das Volk will seine Garagen nicht haben

21. Juni 2002, 20:28
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Beim Dianabad machen Bürger gegen "ihre" Garage mobil

Wien - Judith Eiblmayr ist Präsidentin der österreichischen Gesellschaft für Architektur und Anrainerin des Dianabades - und "wohl auch Teil des Volkes". Trotzdem ist sie gegen "ihre" Garage: Unter dem Park beim Dianabad, neben der Einfahrt in eine bestehende und nicht gerade übervolle Garage, soll eine Volksgarage mit 217 Stellplätzen errichtet werden. Das Widmungsverfahren soll im Herbst beginnen, Baubeginn könnte 2003 sein.

Den Sinn in der Errichtung einer neuen Garage kann nicht nur Eiblmayr nicht erkennen: Binnen zwei Wochen haben sich in der Umgebung des kleinen Parks über 400 andere Teile des Volkes gefunden, die ebenfalls keine Lust auf Bauarbeiten für die vierstöckige Tiefgarage und den von ihr angezogenen Verkehr haben: "Der Park wird zerstört. Die frei werdenden Parkplätze in der Umgebung werden von Besuchern des Bermudadreiecks belegt werden", glaubt die Architektin nicht an eine Erleichterung der Verkehrssituation für die Anrainer.

Außerdem könnten mit der städtischen Subvention von 18.000 Euro pro Stellplatz 217 bestehende Garagenplätze "mit echten Marktpreisen rund 20 Jahre gestützt werden. Das wäre volksnah."

Denn mit dem Argument, billigen Parkraum (73 Euro pro Monat) zu schaffen, hat die Stadt bereits im Herbst 170 Interessenten für das Projekt vis-à-vis der (weit teureren) Dianabad-Garage gefunden.

Bedarf, erklärt Wiens Garagenkoordinator Alfred Theuermann, sei aber noch aus anderen Gründen gegeben: Nicht zuletzt die Errichtung von Radwegen und besseren Gehwegen würde ringsum Parkplätze vernichten. Architektin Eiblmayer lassen solche Argumente kalt. Schließlich haben in Hietzing "100 Unterschriften gereicht, ein ähnlich sinnloses Projekt zu kippen. Wir haben schon 400." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Printausgabe 22./23.06.2002)

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