Michael O'Leary führt Ryanair an die Spitze

23. Juni 2002, 18:34
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Geiziger Ire setzte die Billig-Airline erfolgreich auf Diät

Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider wird nächste Woche nach London fliegen und in einer Pressekonferenz für die Schönheiten Kärntens werben. Fliegt doch ab 27. Juni Europas größte Billig-Airline, Ryanair, von London nach Klagenfurt. Ryanair-Chef Michael O'Leary präsentierte sich und die Airline bereits im März in Klagenfurt.

Der notorische Sparmeister O'Leary gilt als der reichste Junggeselle Irlands. Eine Frau fürs Leben hat er bisher noch nicht gefunden. Seine letzte Kandidatin sprang ihm im Vorjahr wenige Tage vor dem Ereignis ab, das ausgerechnet für den US-Unabhängigkeitstag, den 4. Juli, geplant war. Ob es sein Geiz war oder die Tatsache, dass die Dame seine Pferde nicht reiten wollte, darüber schweigt sich der 41-Jährige aus.

Jesuitenschüler

O'Leary war Jesuitenschüler, der seine Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer am Dubliner Trinity College ohne Abschluss abbrach und danach unter anderem als Steuerberater bei KPMG arbeitete. In dieser Funktion traf er auf Tony Ryan, der die Airline 1985 gründete und dessen Familie heute noch 13 Prozent der Aktien hält. Die Gesellschaft schrieb damals Verluste, und O'Leary gab, von Ryan nach seiner Meinung gefragt, den Rat, die Fluglinie zu liquidieren. Ryan jedoch wollte nicht aufgeben und überredete O'Leary, die Airline zu leiten.

O'Leary, der heute 8,6 Prozent an Ryanair hält, studierte den Billigpionier Southwest. Mit niedrigen Preisen, wenig Beinfreiheit und mit Selbstverpflegung an Bord hatte Southwest 1971 den Flugbetrieb zwischen Houston und Dallas aufgenommen. Zurückgekehrt setzte O'Leary Ryanair auf radikale Diät: An Bord gibt es außer einem Lächeln der Stewardess nichts umsonst: Die Businessklasse wurde ebenso gestrichen wie sämtliche Mahlzeiten und Snacks. Gestrichen wurden ebenso drei der sechs Flugbegleiter pro Flug, und O'Leary sorgte dafür, dass jede Maschine 25 Minuten nach der Landung wieder startbereit ist.

4,8 Milliarden Euro wert

Der Erfolg gibt ihm Recht. Während zahlreiche alteingessene Carrier nach dem 11. September entweder Pleite gingen oder mit erheblichen finanziellen Problem kämpfen, konnte Ryanair zulegen. An der Börse ist Ryanair mittlerweile 4,8 Milliarden Euro wert, das ist um 15 Prozent mehr als Europas Marktführer, British Airways.

Für die Konkurrenz hat O'Leary nur Hohn und Spott übrig. Sein Lieblingsfeind ist Lufthansa-Chef Jürgen Weber, über den er sagt: "Weber macht einen guten Job - für uns." Zum legeren Ryanair-Stil passen natürlich auch Anzug und Krawatte nicht. Daher tragen O'Learys Leute wie der Chef stets Jeans und Hemd. Im Management gilt die Regel: "Krawatten trägst du bei Ryanair nur zu zwei Anlässen - vor Gericht oder zum Bewerbungsgespräch bei der Konkurrenz." (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe 22.6.2002)

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