Bilder rechter Harmonie

21. Juni 2002, 19:20
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Das Familienfoto hat sich verändert

Sevilla - Das Familienfoto hat sich verändert. Anfang 2000, als die schwarz-blaue Regierung angelobt wurde und die EU-14 mit bilateralen Maßnahmen gegen die Rechtsregierung in Wien antworteten, war die Mehrzahl der auf dem Familienfoto abgebildeten Staats- und Regierungschefs der EU sozialdemokratisch.

Völlig anders das Gipfelbild von Sevilla. Die Mehrheit der EU-Länder wird nun rechts regiert; in einigen hat die Politik à la Vienne Schule gemacht, und Rechtsnationalisten stützen konservative Regierungen. FPÖ-Altparteiobmann Jörg Haider, dem das Kabinettstück als Erstem gelungen ist, frohlockt: "Europa kann nur mehr erfolgreich sein, wenn es rechte Ideen akzeptiert", reklamierte er beim FPÖ-Parteitag in Wien für sich die Rolle des rechts-rechten europäischen Schrittmachers.

Viele Gemeinsamkeiten

In Dänemark, Portugal, den Niederlanden und Italien regieren konservative gemeinsam mit rechtsnationalistischen Parteien. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel fühlte sich daher in Sevilla so richtig wohl. Hat er doch viele Gemeinsamkeiten mit seinen Amtskollegen José Manuel Durao Barroso (Portugal), Silvio Berlusconi (Italien), Anders Fogh Rasmussen (Dänemark), Jacques Chirac (Frankreich), der seinen Premierminister Jean-Pierre Raffarin, mit ihm ideologisch ohnedies aufs Engste verbunden, bestimmt die zweite Geige zuwies.

Und dass der linke Wim Kok aus den Niederlanden noch einmal in Sevilla dabei war, weil die neue rechte Regierung noch nicht angelobt ist, störte die rechte Harmonie nicht wirklich. (ina) (DER STANDARD, Printausgabe, 22./23. 6. 2002)

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