Kein Thema - Von RAU

21. Juni 2002, 19:23
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Seit sich am 26. Oktober 2000 der 24-jährige Nabil Arir vor einem israelischen Militärposten in die Luft sprengte, haben es ihm fast 60 palästinensische Selbstmordbomber gleichgetan. Sie töteten dabei rund 250 Israelis und verwundeten fast 2000. Das Eigenartige daran ist, dass zwar das Phänomen der Attentate ausführlich auf seine politischen Folgen hin diskutiert wird, nicht aber die Natur der Taten selbst. Wenn die israelische Armee gegen palästinensische Städte vorgeht, gibt es zivile Tote, aber das Töten von Zivilisten ist nicht das Ziel. Bei den palästinensischen Attentäern jedoch sehr wohl.

Die Tatsache, dass sich der palästinensische Terror bewusst auch gegen Babys, Kinder, Jugendliche richtet, wird kaum thematisiert. Der Attentäter in Jerusalem setzte sich in einen Schulbus, ein anderer zerfetzte Babys bei einem Eisstand. Was immer man gegen die israelische Politik vorbringen kann - und das ist viel -, die Grausamkeit wird praktisch hingenommen. Und es wird auch kaum diskutiert, was der Kult des Todes, der um die "Märtyrer" getrieben wird - komplett mit Videos, wo die stolze Mutter sich freut, dass ihr Sohn sein Leben geben durfte -, für die Zukunft der Palästinenser selbst bedeutet.

(DER STANDARD, Printausgabe, 22./23.6.2002)

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