GPA gegen Pensionsprivatisierung

21. Juni 2002, 19:23
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Sallmutter: "Ein kapitalgedecktes Pensionssystem kommt einem Lotteriespiel gleich"

Wien - Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), Hans Sallmutter, lehnt die angepeilte Privatisierung des Pensionssystems strikt ab. "Kapitalgedeckte Leistungen sind für die Alterssicherung nicht geeignet, weil sie das Risiko auf den Versicherten abwälzen", betonte er gemeinsam mit Christian Felber, von Attac Österreich (Netzwerk für eine demokratische Kontrolle der Finanzmärkte) bei einer Pressekonferenz am Freitag.

Als eines der jüngsten Negativbeispiele führten sie das Schicksal der Enron-Arbeitnehmer an. Der amerikanische Energiehändler, das siebentgrößte US-Unternehmen, hatte seinen Mitarbeitern die freiwillige Leistung von Beiträgen auf steuerlich geförderten Rentenkonten angeboten. Nach dem Enron-Bankrott fiel der Aktienkurs von 32 auf unter einen Dollar, und die Mitarbeiter, die zum Teil über ein beachtliches Depotvermögen verfügten, verloren nach Schätzungen insgesamt 1,8 Mrd.EURO.

Arbeitszeitverkürzung und höheres Pensionsalter

Zwar sieht Sallmutter im Hinblick auf die demografische Entwicklung in der Pensionsfrage durchaus Handlungsbedarf, die Lösung zur Finanzierung des Pensionssystems liegt für ihn aber nicht "in riskanten Spekulationen und Veranlagungen am Kapitalmarkt, die einem Lotteriespiel gleichkommen", sondern in einer Arbeitszeitverkürzung gekoppelt mit einem höheren Pensionsantrittsalter.

Man soll das Verfahren der umlagenfinanzierten Pensionssicherung nicht krankreden, meint auch David Mum, Volkswirt und Autor der neuen Broschüre "Mythos Kapitaldeckung - Die Risken der Privatisierung des Pensionssystems". Und Felber meinte, "Aktien seien ein Risiko, das man sich leisten können muss". Er bestätigte die Thesen von Sallmutter und Mum und forderte zudem Kapitalverkehrskontrollen für Schwellenländer und hohe Transaktionssteuern. (bach, DER STANDARD, Printausgabe 22.6.2002)

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