Gewinnwarnungs-Welle erfasst Märkte

21. Juni 2002, 18:17
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RZB: Stimmung könnte mit Beginn der Berichtssaison zum zweiten Quartal drehen - Vorgeschmack aufs Sommerloch in Wien

Wien - Neuerlich mit Abschlägen auf breiter Front haben die internationalen Aktienmärkte die Börsenwoche beendet. Zahlreiche Umsatz- und Gewinnwarnungen von prominenten Unternehmen wie Nokia, AMD, Oracle oder Apple haben neben dem zur Zeit allgemein schlechten Sentiment laut RZB-Analyst Helge Rechberger die Suppe versalzen. Gute Nachrichten - wie von einigen Investmentbanken - seien in diesem Umfeld ungehört verschallt.

Doch die Stimmung könnte mit dem Beginn der US-Berichtssaison zum zweiten Quartal in der zweiten Juliwoche wieder drehen. Denn erstmals seit längerem wird erwartet, dass im Vergleich zum Vorjahresquartal wieder höhere Gewinne ausgewiesen werden - ein laut Rechberger psychologisch wichtiger Faktor. Die dieswöchigen Konjunkturzahlen empfindet der RZB-Analyst als sehr gut, der Philly Fed-Index sei sogar sensationell ausgefallen. Das hohe Leistungsbilanzdefizit habe nicht überrascht und hauptsächlich den Dollar belastet. "Die Dollarschwäche sollte die US-Aktienmärkte aber nicht beunruhigen, schließlich lieben exportorientierte Werte diese Entwicklung", so Rechberger.

"Ausgeprägter Abwärtstrend"

Wenig Optimismus versprühen hingegen die Charttechniker der Erste Bank angesichts des "ausgeprägten Abwärtstrend" des breiten S&P-500. Daher sei in der kommenden Woche mit einem "schwachen, richtungslosen Markt" zu rechnen. Zudem fehlen laut Erste Bank die nötigen Impulse von fundamentaler Seite, welche eine Trendumkehr einläuten könnten.

Im Wochenvergleich ermäßigte sich der S&P-500 bis 17:45 MESZ um 1,3 Prozent auf 994 Punkte, der Dow Jones notierte um 1,7 Prozent schwächer bei 9.315 Einheiten. In Europa sank der DAX um 1,9 Prozent auf 4.222 Zähler, während der Euro-Stoxx 50 um bloß 0,3 Prozent schwächer bei 3.044 Punkten errechnet wurde. Die kräftigsten Verluste verbuchte allerdings die Tokioter Börse. Die momentane Dollarschwäche habe die exportabhängigen Branchen Automobil und Elektronik unter Druck gebracht, so die Erste Bank. Der Nikkei-225 brach um 5,2 Prozent auf 10.354 Zähler ein.

Vorgeschmack aufs Sommerloch

Wiens Börse gab unterdessen den Investoren in dieser Woche einen Vorgeschmack auf das traditionelle Sommerloch. Mangels flauer Vorgaben aus dem Ausland und neuer Unternehmensnachrichten plätscherte der Handel über weite Strecken lustlos dahin. Der ATX tendierte leicht schwächer, im Wochenverlauf sank der Index der 20 wichtigsten österreichischen Aktien um 0,83 Prozent auf 1.242,98 Punkte. Verglichen mit den Indizes der Weltbörsen, die erneut kräftig abtauchten, fiel das Minus in Wien aber moderat aus.

Ein weiterer Rückgang des ATX auf die Unterstützungsmarke von 1.220 Punkten - seit Anfang Mai befindet sich Wiens Benchmarkindex in einem Abwärtstrend - wird von den Aktienexperten der Erste Bank kurzfristig nicht ausgeschlossen. Mit dem Fall unter 1.250 Punkte sei zuletzt eine psychologische Unterstützung durchbrochen worden. Gleichzeitig jedoch signalisiere die Charttechnik "erste Anzeichen einer Bodenbildung", was auf eine Seitwärtsbewegung hoffen lasse. (APA)

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