Islamisches Zentrum Genf klagt gegen Oriana Fallaci

21. Juni 2002, 15:56
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Gericht lehnt Auslieferungsstopp des umstrittenen Islam-Buchs ab

Genf - Das Islamische Zentrum Genf (CIG) hat bei Generalstaatsanwalt Daniel Zappelli eine Klage gegen die italienische Schriftstellerin Oriana Fallaci eingereicht. Ihr Buch "La rabbia e l'orgoglio" (Die Wut und der Stolz) soll verboten werden. Das Buch ist im Dezember in Italien und im Mai in Frankreich erschienen. Die "rassistischen Äußerungen" Fallacis verletzten in klarer Weise die Artikel 261 und 261bis des Strafgesetzbuchs, schreibt das CIG in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Fallaci verunglimpfe die gesamte moslemische Gemeinschaft, erklärte CIG- Direktor Hani Ramadan. Das Komitee "pour le respect du droit des musulmans", im März von CIG-Organen gegründet, werde gegen alle sprachlichen Entgleisungen antreten. Die jüdische Gemeinschaft tue dasselbe, um die Würde ihrer Mitglieder zu verteidigen, erklärte Ramadan weiter. Verlangt wird die sofortige Sicherstellung und ein Verbot von Fallacis umstrittenem Buch.

Unzulässige Vermischungen

In Frankreich ist die Autorin bereits von diversen Gruppierungen vor Gericht gezogen worden. Bei einer ersten Anhörung am Dienstag trat die Pariser Staatsanwaltschaft aber nicht auf ein sofortiges Verbot ein. Das Buch beinhalte aber unbestrittenermaßen unzulässige Vermischungen, erklärte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft. Seiner Ansicht nach soll ein Strafgericht die Anschuldigungen der "Anstiftung zum Rassenhass" grundlegend prüfen.

In ihrem Buch reitet die 72-jährige Autorin eine Attacke gegen die IslamistInnnen aber auch gegen in Europa wohnhafte Muslime. Sie wirft den ImmigrantInnen etwa vor, "sich wie Ratten zu vermehren" und macht sie für Prostitution und Kriminalität verantwortlich.

In Italien fand "La rabbia e l'orgoglio" fast eine Million KäuferInnen. In Frankreich, wo das Buch unter dem Titel "La Rage et l'orgueil" am 23. Mai in den Handel kam, wurde es 45.000 Mal verkauft. Gericht lehnt Auslieferungsstopp ab

Das umstrittene Islam-Buch "Der Wut und der Stolz" der italienischen Starjournalistin Oriana Fallaci darf in Frankreich weiter verkauft werden. Ein Gericht in Paris lehnte es am Freitag ab, die Auslieferung des Bestsellers vorläufig zu stoppen. In der Sache wird nun ein anderes Gericht entscheiden.

Die "Bewegung gegen Rassismus und für Völkerfreundschaft" (MRAP) hatte ein Verbot des Buches verlangt, in dem sie eine Anstiftung zu Hass, Gewalt und Rassendiskriminierung sieht. Fallaci schreibt darin, dass sich Muslime "wie Ratten vermehrten". An anderer Stelle heißt es, der Islam habe nicht zum Fortschritt der Menschheit beigetragen. Die "Kinder von Allah" verbrächten ihre Zeit "mit dem Hintern in der Luft, fünf Mal am Tag betend". Das Buch war eine Reaktion Fallacis auf die Terroranschläge des 11. Septembers in New York, wo sie lebt. (APA/sda)

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