Einblicke in Schröders Welt und sein Konto

13. Mai 2005, 13:48
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Der deutsche Kanzler in einer neuen Biografie

Rechtzeitig zum Beginn der heißen Phase des Wahlkampfes in Deutschland hat der Spiegel-Journalist Jürgen Hogrefe ein Buch über Bundeskanzler Gerhard Schröder vorgelegt. Da es schon mehrere Schröder-Biografien gibt, hat er die Form des Porträts gewählt und das Buch in Sachkapitel zu Themen wie Fußball, Privat oder Geld gegliedert. Das ist auf den ersten Blick ungewöhnlich.

Erstaunlich ist, wie detailliert der Autor über die finanzielle Lage des Kanzlers - Jahresverdienst 250.000 Euro - Auskunft gibt. Oder geben darf. Es wird zum Beispiel genau aufgelistet, wie viel Schröder seiner dritten Ehefrau Hiltrud für die Scheidung 1997 gezahlt hat - neben dem Überlassen des Hauses. "Nach der Trennung von Hilu war Schröder froh, als Ministerpräsident über eine Freifahrkarte der Bahn zu verfügen, die ihm als Mitglied des Bundesrates zustand", schreibt der Autor. Er ergreift nicht nur in diesem Fall Partei für den Kanzler und zeichnet insgesamt ein sehr positives Bild in Schröders Sinne in leicht lesensbarer Form.

Für Außenstehende interessant ist die Schilderung von Abläufen im Kanzleramt: Wie der Regierungschef manchmal mit Zigarre in der Hand ins Büro von Mitarbeitern platzt oder als "Herr Schröder" bei ihnen direkt anruft. Eingeflossen sind viele Gespräche mit Vertrauten des Kanzlers, die das "System Schröder" begründen. Er beschreibt auch dessen Einzimmerappartement im Kanzleramt.

Interessant ist Hogrefes Fazit und Ausblick: "Es scheint, dass Gerhard Schröder der Kanzler des Übergangs ist. Deutschland hat seinen neuen Platz in der Welt noch nicht gefunden. Schröder sucht nach dieser Rolle." Ganz fassbar wird auch der Mensch Schröder in diesem dennoch lesenswerten Porträt nicht. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Printausgabe, 21.06.2002)

Gerhard Schröder
Ein Porträt
Siedler Verlag
Berlin 2002
223 Seiten
19,60 Euro
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