KPNQwest: Zurück zum Start

21. Juni 2002, 19:03
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Für die Österreich-Tochter bieten Konsortien rund um EUnet-Gründer

Wien - Für die Österreich-Tochter des holländischen KPNQwest-Konzerns könnte es bald heißen: Back to the Roots. In zwei der vier Bietergruppen um den insolventen Leitungsnetzbetreiber sitzt jeweils ein Mann der früheren EUnet-Gründermannschaft. KPNQwest Österreich hieß vor seinem Verkauf an den amerikanischen Qwest-Konzern EUnet.

Für Teile bzw. das gesamte Unternehmen interessiert sich der Risikokapitalgeber Global Equity Partners, in der der frühere Kogeschäftsführer der EUnet, Herbert Herdlicka, als Investmentmanager sitzt. Des Weiteren will der Wiener Internet-Service-Provider Inode ein Angebot legen. Hinter Inode, die den Umsatz mit rund 15 Mio. Euro beziffert, steht die Illuminati Privatstiftung, an der Michael Haberler, der ehemalige EUnet-Gründer, beteiligt ist.

Weitere Bieter für Teile der Österreich-Tochter des illiquiden Konzerns KPNQwest sind der Glasfaserbetreiber Colt sowie - unbestätigt - der italienische Provider Tiscali.

Gericht Riemergasse

Die Interessenten mussten bis Ende dieser Woche ihre Angebote legen; am Montag wird dann im zuständigen Gericht über eine Fortführung der KPNQwest Österreich entschieden.

Die Anbieter halten sich über Details bedeckt, jedoch scheint das Interesse an den Provider- sowie Housing/ Hosting-Aktivitäten des Netzbetreibers größer zu sein als an dem in Österreich vergrabenen KPNQwest-Glasfasernetz. Unter Housing/Hosting versteht man das Betreiben von Servern für Unternehmen in einem Rechenzentrum. KPNQwest verfügt in Vösendorf über ein solches. Der Anbieter Colt - der erst kürzlich eine Übernahme des gesamten KPNQwest-Konglomerats abgelehnt hatte, an Teilen aber weiter interessiert sei - hat kürzlich sein Datacenter in Floridsdorf stillgelegt.

KPNQwest Austria hat im Vorjahr knapp hundert Leute beschäftigt; der Österreich-Umsatz wird mit 26,7 Mio. Euro beziffert. Insider streichen hervor, dass in diesen Umsatz auch das Geschäft mit internationalen Konzernen eingeflossen sei und dass sich der in Österreich generierte Umsatz auf rund 15 Mio. Euro belaufen dürfte.

Im Laufe der Woche hatte dem internationalen Netz des Telekomkonzerns mehrfach das Abschalten gedroht. Erst nach einer Sistierung von offenen Zahlungen über 15 Mio. Euro durch den französischen Anbieter Alcatel wurde der Notfallplan für das Weiterführen des Netzes verlängert. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Printausgabe 22.6.2002)

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