Babcock Borsig: Insolvenzantrag möglich

21. Juni 2002, 14:31
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VA Tech-Kurs leidet unter Beteiligung

Oberhausen/Wien - Dem Oberhausener Maschinenbaukonzern Babcock Borsig droht das Aus: Einen Insolvenzantrag des Traditionsunternehmens im 111. Jahr seines Bestehens konnte der Pressesprecher des Konzerns am Freitag nicht ausschließen. "Wenn das nötig ist, werden wir das machen", sagte Hans-Joachim Wieckmann der dpa nach entsprechenden Zeitungsberichten. "Die Lage ist schwierig, aber lösbar." Zur Zeit liefen Gespräche mit den Banken über die Zukunft des Unternehmens. Auch die Zahlung der Juni-Gehälter für die weltweit 22 000 Mitarbeiter ist derzeit noch nicht endgültig gesichert. Der Betriebsrat rechnet, dass für die Sanierung des Babcock-Konzerns mindestens tausend Arbeitsplätze abgebaut werden.

200 Millionen Euro nötig

Wie das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung am Freitag erläuterte, werden derzeit Gespräche mit Banken und einigen Anteilseignern zur Umsetzung des von der Unternehmensberatung Roland Berger erarbeiteten Konzepts zur Neustrukturierung des Konzerns geführt. "Nach dem derzeitigen Stand der Gespräche benötigt die Babcock Borsig AG kurzfristig Liquidität in Höhe von rund 200 Millionen Euro zur Fortführung ihres Geschäftsbetriebs. "Wenn die laufenden Gespräche nicht bis Dienstag den 25. Juni erfolgreich abgeschlossen sind, wird es der Gesellschaft nicht möglich sein, die Juni-Gehälter auszuzahlen", hieß es in der Ad-hoc- Mitteilung weiter.

Lohnverzicht

In der vergangenen Woche hatten sich Gewerkschaftsvertreter und der Betriebsrat nach Verhandlungen in der Frankfurter IG-Metall- Zentrale auf einen Lohnverzicht der mehr als 13.300 Mitarbeiter in Deutschland geeinigt. Danach verzichten die Beschäftigten auf die Auszahlung der Tariferhöhung von 3,1 Prozent sowie auf die einmalige Sonderzahlung für Mai in Höhe von 120 Euro pro Mitarbeiter. Allerdings erwarteten die Arbeitnehmer nun auch ein Entgegenkommen der Banken, betonte eine Gewerkschaftssprecherin.

HDW-Verkauf

Babcock hatte bisher im laufenden Geschäftsjahr von einem erwarteten Verlust "im niedrigen dreistelligen Millionenbereich" gesprochen. Am Freitag vergangener Woche hatte Vorstandschef Klaus Lederer nach einer Aufsichtsratssitzung sein Amt niedergelegt. Lederer war vor allem wegen des umstrittenen Verkaufs von 25 Prozent Anteilen an der Kieler Howaldts-Werft (HDW), deren Chef Lederer bleibt, massiv in die Kritik geraten. Auf Betreiben des US-Investors Guy Wyser-Pratte sollen die Aktionäre nun auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im August über den Verkauf der verbliebenen 25 Prozent HDW-Anteile beraten. Wyser-Pratte hatte den Verkauf kritisiert, weil damit ein einträglicher Teil des Konzerns entfalle.

VA-Tech unter Druck

An einer Tochterfirma der Babcock Borsig AG, der Babcock Borsig Power, ist die VA Tech AG, Linz, mit 10 Prozent beteiligt. Die Beteiligung ist in der testierten VA Tech Konzernbilanz zum 31.12.2001 mit 44 Mill. Euro angesetzt und wurde nach Angaben eines VA Tech-Sprechers vom Freitag vom Wirtschaftsprüfer Ende 2001 als "werthaltig" bezeichnet. VA Tech hat im Jahr 1999 die damals schwer defizitäre Austrian Energy Energietechnik an Babcock Borsig Power abgegeben und dabei die Minderheitsbeteiligung übernommen.

Die VA Tech-Aktien standen am Freitag an der Wiener Börse im Blickpunkt. Gegen Mittag verlor der Titel 6,55 Prozent auf 26,10 Euro. "Die VA Tech und der gesamte Sektor leiden unter den anhaltenden Schwierigkeiten bei Babcock Borsig", begründete ein Marktteilnehmer die Abschläge. "Sollte es bei Babcock wirklich zu einer Insolvenz kommen, hat die VA Tech aufgrund ihrer Beteiligung an der Tochtergesellschaft einen hohen Wertberichtigungsbedarf", hieß es weiter. Der VA Tech-Sprecher hat am Vormittag für den Lauf des heutigen Tages eine Aussendung im Zusammenhang mit der Babcock Borsig Power-Beteiligung angekündigt. (APA/dpa)

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