Ex-Direktor von serbischem TV-Sender zu zehn Jahren Haft verurteilt

21. Juni 2002, 14:00
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Mitarbeitern während NATO-Angriffs Aufsuchen der Schutzräume verboten - 16 Tote

Belgrad - Der frühere Direktor des serbischen staatlichen TV-Senders, Dragoljub Milanovic, ist am Freitag von einem Gericht in Belgrad zu zehn Jahren Haft verurteilt worden, meldete der Sender "B-92". Milanovic war angeklagt worden, für den Tod von 16 Mitarbeitern des Senders verantwortlich zu sein, die bei einem NATO-Luftangriff auf das Sendegebäude am 23. April 1999 ums Leben gekommen waren.

Laut Zeugenaussagen hatte Milanovic, einer der Mitarbeiter des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic, den Mitarbeitern des Senders untersagt, während der Luftangriffe das Gebäude zu verlassen und die Luftschutzräume zu benutzen. Auch die Aufforderung, die Sendeeinrichtungen an einen sichereren Ort zu verlegen, soll er abgelehnt haben. Der Sender war von der NATO als "legitimes Ziel" bezeichnet worden.

Verstöße

Nach Auffassung des Gerichts hatte Milanovic die Geschäftsordnung des Senders verletzt sowie gegen die Verordnung verstoßen, bei Gefahr die Sendeeinrichtungen an einen sicheren Ort zu verlegen.

Der Anwalt des Angeklagten, Branimir Gugl, hatte am Donnerstag in seinem Schlussplädoyer erklärt, dass Milanovic ausschließlich der Regierung und dem damaligen Staatschef Milosevic verantwortlich gewesen sei. Nach Ansicht des Anwaltes Slobodan Sisic, der vor dem Gericht die Angehörigen der Opfer vertreten hatte, erhellt gerade diese Aussage die Geschehnisse im staatlichen TV-Sender. Die Familienangehörigen der Opfer behaupten, dass das Belgrader Regime absichtlich Mitarbeiter des Senders geopfert hätte, um der Propaganda gegen die NATO Stoff zu liefern.

Gugl bezeichnete das Urteil als "Machenschaft" und "größte Schande in der Geschichte des serbischen Justizwesens". Er meldete Berufung an. Nach Meinung von Anwalt Sisic dagegen zeigte das Gericht mit seinem Urteil, wie die Rechtsprechung aussehen sollte. (APA)

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