Nachlese: Citybikes erleben in Helsinki schon ihren dritten Sommer

27. Juni 2002, 12:53
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Bürgermeisterin sieht keinen Grund Münzpfand-System zu ändern - "Wir hatten im ersten Jahr ähnliche Probleme wie in Wien"

Helsinki - Die finnische Hauptstadt ist eine jener europäischen Städte, in denen Gratis-Fahrräder zur Benützung im Stadtgebiet bereit gestellt werden.

Kein Grund das Pfandsystem zu ändern

In Helsinki läuft das Projekt bereits seit drei Jahren mit Erfolg. Eine Änderung des Pfandsystems, wie es in Wien schon nach kurzer Betriebszeit wegen des Verschwindens zahlreicher Räder beschlossen wurde, wird es laut Eva-Riita Siitonen, der langjährigen Bürgermeisterin von Helsinki, in ihrer Stadt nicht geben.

Citykarten hängen Pläne wie weit man damit fahren darf

Begonnen wurde das Citybike-Projekt im Juni 2000, als Helsinki eine der Kulturhauptstädte Europas war. Die Fahrräder dürfen nur im zentralen Stadtgebiet verwendet werden und sind auf 26 Stellplätze verteilt. Sowohl bei den Stellplätzen wie auch auf den Rädern selbst sind Karten angebracht, die an das erlaubte Verwendungsgebiet erinnern. Das Projekt ist - ähnlich wie in Wien - von der Stadt Helsinki und Sponsorfirmen kofinanziert.

100 Fahrräder sind in den ersten beiden Jahren verschwunden

Auf den hohen Schwund an Fahrrädern in Wien angesprochen, sagt die Bürgermeisterin von Helsinki, Eva-Riitta Siitonen: "Wir hatten im ersten Jahr ähnliche Probleme. Im zweiten Jahr war es schon besser und dieses Jahr hat es sich eingependelt." Nach Angaben der Verkehrsbehörde der Stadt (HKL) sind in den ersten beiden Jahren insgesamt rund 100 Fahrräder verschwunden. Interessant ist, dass schon nach dem ersten Sommer fast so viele Räder, nämlich rund 30 Prozent der ursprünglich 300 Fahrräder, fehlten. Davon tauchte allerdings im Herbst, nach Ende der Saison, rund ein Drittel wieder auf.

Es braucht seine Zeit, bis mit so einem System verantwortungsvoll umgegangen wird

Am Entleih-System wurde daher nichts geändert. Nach wie vor funktionieren die Gratisräder in Helsinki nach dem "Einkaufswagerl-Prinzip". Ursprünglich mussten willige Gratis-Biker eine Zehn-Finnmark-Münze zur Hand haben (damals rund 23 Schilling), jetzt kann man, wie ursprünglich auch in Wien, die Räder mit der Zwei-Euro-Münze locker machen. "Wir haben das Projekt auf zehn Jahre angelegt und sehen keinen Grund, das System zu ändern" sagt Siitonen. Sie meint, man müsse die Leute zum verantwortungsbewussten Umgang mit den Gratisrädern erziehen. "Es braucht eben Zeit, bis so ein Projekt respektiert wird."

Seit heuer gibt es die ersten in Finnland produzierten Gartisräder

In das Citybike-Konzept der Stadt Helsinki hat man inzwischen auch die heimische Wirtschaft stärker mit einbezogen: Für diesen Sommer wurden die ersten in Finnland produzierten Gratisfahrräder in den Dienst gestellt.(APA)

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