Fiat: Dunkle Aussichten

21. Juni 2002, 12:59
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Verschärfung der Automarkt-Krise befürchet - Stellenabbau - Finanzexperte Galateri wird als neuer Chef gehandelt

Rom - Italiens krisengeschüttelte Autogruppe Fiat befürchtet eine Verschärfung der Krise auf dem italienischen Automarkt. "Wir schätzen, dass sich die Krise im zweiten Semester 2002 vertiefen könnte. Die Nachfrage wird über das ganze Jahr hindurch negativ bleiben und die Resultate im Juni bestätigen diesen Trend", betonte der Geschäftsführer der Fiat Auto, Giancarlo Boschetti, in einem Bericht vor der römischen Abgeordnetenkammer.

Keine Zeichen der Besserung

Laut Boschetti gäbe es vorerst keine Zeichen der Besserung. Die Krise betreffe auch den europäischen Markt, der seit Jahresbeginn um 3,8 Prozent rückgängig sei. Auch in den USA seien seit Beginn 2002 2,6 Prozent weniger Autos verkauft worden. Der einzig positive Markt sei der britische, der ein 8,2-prozentigen Wachstum melde.

Die Krise der Autobranche wirkt sich negativ auf die Beschäftigung bei Fiat, Italiens größter Privatgruppe, aus. Im ersten Quartal 2002 sei die Fiat-Belegschaft um 14 Prozent reduziert worden. Das Unternehmer beschäftigt weltweit zirka 198.000 Personen. Das Unternehmen hatte im vergangenen Monat die Streichung von 2.887 Arbeitsplätzen in Italien bekundet. Laut den Gewerkschaften könnte es demnächst zum Abbau von weiteren 550 Arbeitsplätzen in den Produktionsanlagen der lombardischen Stadt Arese, in denen die Autos der von Fiat kontrollierten Marke Alfa Romeo hergestellt werden.

Stellenkürzungen

Ersten Indiskretionen zufolge sollen die Arbeitsplätze auch bei der Gesellschaft Powertrain gekürzt werden, einem Joint Venture, das im Jahr 2000 mit dem Partner General Motors gegründet worden war. Zu Powertrain gehört auch das Opel-Werk in Wien-Aspern. Die Gruppe, die noch bis Ende 2002 ihren Schuldenberg in Höhe von 6,5 Milliarden Euro halbieren will, setzt die Gewerkschaften unter Druck, die mit einer neuen Streikaktion gegen den Stellenabbau drohen. Um Fiat eine Zukunft zu garantieren, sei der neue Stellenabbau notwendig.

Verkauf an General Motors befürchtet

Die Arbeitnehmerverbände befürchten, dass der Verkauf der Fiat-Autobranche an General Motors immer näher rückt. Gerüchte kursieren, wonach die Unternehmerfamilie Agnelli noch vor Herbst den Verkauf der Autosparte an Detroit bekannt geben wolle. Fiat hat eine Option, seine Autosparte 2004 an GM zu verkaufen.

Galateri als neuer Chef im Gespräch

Als neuer Fiat-Vorstandschef ist laut einem Bericht von "La Repubblica" der Chef der Fiat-Holdings Ifil und Ifi, Gabriele Galateri di Genola, im Gespräch, meldet die Deutsche Presseagentur. (APA)

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