Kärntner Slowenen fordern zweisprachige Tafeln in 394 Orten

21. Juni 2002, 15:44
49 Postings

Vorschlag auf Basis des VfGH-Erkenntnisses wurde an Bundeskanzler Schüssel übermittelt

Klagenfurt - Die slowenenische Volksgruppe hat ihre Vorstellungen der Umsetzung des Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofes vom 13. Dezember 2001 zu den zweisprachigen Ortstafeln präsentiert. Sie sehen zweisprachige Topographie in insgesamt 394 Ortschaften vor. Auf Grund der vom VfGH aufgehobenen Topographieverordnung 1977 sind es 92 Ortschaften, wobei in 21 diese Ortstafeln bis heute nicht aufgestellt worden seien, hieß es am Freitag bei einem Pressgespräch in Klagenfurt. Von der Landespolitik werden die Forderungen zurückgewiesen.

Der Vorschlag wurde von einer Arbeitsgruppe der slowenischen Volksgruppe ausgearbeitet. "Dabei wurde sowohl der Artikel 7 des Staatsvertrages als auch der vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) abgesteckte Rahmen berücksichtigt", sagte Pavel Apovnik. Daher dürfe nicht von der Volkszählung 2001, sondern von jener von 1971 ausgegangen werden.

Die 394 Ortschaften sind den Bezirken Völkermarkt, Klagenfurt-Land, Villach-Land und Hermagor zuzuordnen. 92 sind bereits in der Topographieverordnung 1977 ausgewiesen. "Weitere 55 haben heute noch einen Anteil von zumindest 25 Prozent an Slowenisch-sprechenden", sagte Rudi Vouk. "Daher darf es über diese Orte überhaupt keine Diskussion geben, weil die Bundesregierung von sich aus zweisprachige Ortstafeln verordnen müsste." 22 weitere hatten 1971 einen 25-Prozent-Anteil.

Weitere 78 Orte weisen auf Grund der Volkszählung 2001 einen Slowenen-Anteil von über zehn Prozent auf, 51 auf Grund der Volkszählung 1991 und weitere 63 auf Grund der Volkszählung 1971.

"Das sind in Summe 361 Ortschaften", fasste Vouk zusammen. "Wenn man jetzt noch jene 33 dazuzählt, die 1971 inklusive der Windischen mehr als zehn Prozent Nicht-Deutsch-Sprechende hatten, kommt man auf die von uns geforderten 394 Ortschaften." Daher sei dies "keine Maximalforderung, sondern ein Angebot für einen Kompromiss". Vouk verwies darauf, dass auf Grund der Volkszählung von 1951 in rund 800 Südkärntner Orten mehr als zehn Prozent der Bevölkerung Slowenisch oder den Dialekt Windisch sprach.

Der Obmann des Rates der Kärntner Slowenen, Bernard Sadovnik, appelliert daher an die Landespolitik, "Vernunft walten" zu lassen. Das VfGH-Erkenntnis nicht umzusetzen, wäre ein "Schaden für das ganze Land". Der Vorsitzende des Zentralverbandes, Marjan Sturm, sprach von einem "maßvollen Paket" und erinnerte daran, dass Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) zugesagt habe, das VfGH-Erkenntnis umzusetzen.(APA)

Share if you care.