Mörderischer Hass: Vier Frauen stranguliert

21. Juni 2002, 12:10
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Mit Helfried B. ist den Kriminalisten des Wiener Sicherheitsbüros ein mutmaßlicher Serienmörder ins Netz gegangen. Als Motiv gab er an, er sei von den Frauen ausgelacht worden

Wien/Graz - "Manchmal hilft gut zureden", verrät Ernst Geiger, der Leiter der Mordkommission im Wiener Sicherheitsbüro. Dem 36-jährigen Helfried B. haben die Kriminalisten stundenlang "gut zugeredet" und wissen nun schon ziemlich viel über den ÖBB-Schlosser: dass er Modelleisenbahnfan ist, dass es beim Sex nur klappt, wenn er Frauenkleidung trägt, dass er wütend wird, wenn er ausgelacht wird. Und "dass er ein mutmaßlicher Serienmörder ist", gab Geiger Donnerstag bekannt. B. habe gestanden, seit 1989 vier Prostituierte in Wien und Graz stranguliert zu haben.

Wie berichtet, war B. vor einer Woche als Tatverdächtiger im Fall der in Wien ermordeten Prostituierten Elisabeth S. (52) verhaftet worden. Kurz danach gestand er auch den Mord an der Prostituierten Evelyn M. (27) vom Oktober 1995 in Wien. Nun gab er weiter zu, 1994 am Wiener "Praterstrich" Eva M. (40) und 1989 in Graz die Geheimprostituierte Gertrude S. (42) umgebracht zu haben.

Motiv: Die Frauen hätten sich über seine Vorliebe, Stöckelschuhe und Perücken zu tragen, mokiert. Daraufhin habe er einen mörderischen Hass entwickelt. Die Kriminalisten müssen jetzt objektive Sachbeweise erbringen. Der Modus operandi ist in allen Fällen gleich, die Leichen wurden nicht allzuweit vom Tatort entfernt versteckt. Die Verbrechen stimmen auch zeitlich mit einem Umzug des Grazers nach Wien überein.

Geiger wollte nicht ausschließen, dass B. noch für weitere Morde im Rotlichtmilieu in Frage kommen könnte. In Österreich seien vier Verbrechen mit ähnlicher Handschrift offen. Auch im Ausland wird ermittelt. B. unternahm in der Vergangenheit Zugreisen nach Deutschland, Skandinavien und Slowenien.

In seiner Wohnung wurde ein kleines Medienarchiv gefunden. Er sammelte einschlägige Anzeigen, Berichte über das Prostitutionsgesetz und über Morde, darunter zwei, die er jetzt gestanden hat. Auch der Fall Jack Unterweger fand sich in der Sammlung. Unterweger war 1994 in Graz wegen neunfachen Mordes an Prostituierten zu lebenslanger Haft verurteilt worden und hatte sich unmittelbar danach in der Zelle erhängt. Das Urteil wurde nie rechtskräftig. Die Verbrechen von B. und Unterweger stünden aber in keinem Zusammenhang, betonte Geiger.

Quasi als "Drüberstreuer" gab B. noch zu, 1988 der ÖBB einen Drohbrief geschickt zu haben. Aus Wut darüber, dass der zweimal die Aufnahme nicht geschafft hatte. In einem Schreiben forderte er 100 Millionen Schilling (7,26 Mio. Euro) und kündigte an, Züge in die Luft zu sprengen. (Michael Simoner, DER STANDARD, Printausgabe 21.6.2002)

Das Sicherheitsbüro ersucht weiterhin um Hinweise: [TEL] (01) 313 46-36122.
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