Redaktionen in Veränderung

21. Juni 2002, 16:00
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Klaus Meier, Professor für Journalistik, plädiert für mehr Teamarbeit

Salzburg/Wien - In vielen europäischen Medienhäusern wird derzeit "umgebaut", traditionelle Redaktionsstrukturen werden hinterfragt. Eine "Neuerfindung der Redaktion" forderte in diesem Sinne Klaus Meier, Professor für Journalistik an der Fachhochschule Darmstadt, am Freitag bei einer Veranstaltung in Salzburg. Meier präsentierte seine Ansätze für eine Redaktion, in der Teamarbeit eine stärkere Rolle den je spiele, anlässlich der Zertifikatsverleihung des 19. Österreichischen Journalistenkollegs, das vom Kuratorium für Journalistenausbildung veranstaltet wird.

Generell wird in Zukunft mehr Bewegung in den europäischen Medienhäusern herrschen, meinte Meier: "Wir müssen uns von der These verabschieden, dass Zeitungsredaktionen über Jahre hinweg die gleiche Struktur aufweisen."

Das Fachressort ist in der klassischen Redaktion das Maß aller Dinge und leistet "die Einteilung der Welt in feste Sektionen", führte er aus. Aber: "Der Nachteil dieser Struktur ist, dass das Bewusstsein für die Zeitung oder das Programm als Ganzes abhanden kommt und die Redaktion nur Themen wahrnimmt, die ins Raster der Ressorts passen."

Teamfähigkeit

Neue Formen der Teamarbeit können indes die Grenzen der Ressorts sprengen, so der Wissenschafter. Ziel sei es, die "traditionelle Mentalität der journalistischen Einzelkämpfer zu überwinden". Seine Befragungen hätten ohnehin ergeben, dass Redakteure nicht nur als "lonely riders" am Schreibtisch agieren, "sondern durchaus im Team arbeiten können, wenn die Chefredaktion dafür neue Strukturen zur Verfügung stellt und die Teamarbeit fordert und fördert".

Allerdings müssen dabei auch Grenzen akzeptiert werden. Gerade im Zuge des Internet-Booms der vergangenen Jahre sei die so genannte "Multimedia-Redaktion" in aller Munde gewesen. Hier müsse ebenfalls die Team-Orientierung im Vordergrund stehen, so Meier: "Der Traum so mancher Verleger vom Journalisten als eierlegende Wollmilchsau, die gleichzeitig die Zeitung, das Web, mobile Endgeräte und einen Radio- oder Fernsehsender in kürzester Zeit beliefern kann, ist utopisch und wird nur in den seltensten Fällen funktionieren."

Vermehrt "virtuelle" Teams möglich

Teams könnten sich aber auch immer öfter "virtuell" konstituieren, skizzierte Meier eine weitere Entwicklung: Durch Internet und Laptop ist "erstmals in der Geschichte des Journalismus die Redaktion als zentraler Raum nicht mehr nötig".

Patentrezepte für die Zukunft der Redaktion könne es nicht geben, fasst Meier seine Erkenntnisse zusammen. Von zentraler Bedeutung sei aber, dass "nicht wild neue Arbeitsformen eingeführt werden, sondern dass zunächst Strategien und Ziele überlegt und definiert werden, bevor die Strukturen genau darauf hin ausgerichtet werden". Wohl überlegt wollen dabei auch nicht nur die technischen Finessen sein, sondern auch scheinbar simple Fragen wie die Räumlichkeiten und die Büromöbel, so sein abschließender Tipp. (APA)

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