Schiedsrichterkommission gesteht Fehler ein

21. Juni 2002, 11:45
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In Zukunft sollen bei der WM nur noch die besten Schiedsrichter ins Pfeiferl blasen

Seoul/Yokohama - Edgardo Codesal, Mitglied der FIFA-Schiedsrichterkommission, hat bekannt, dass Referee Byron Moreno (Ecuador) bei der Achtelfinal-Partie Südkorea gegen Italien schwere Fehler gemacht hat. Dies gilt in der Hauptsache für die gelb-rote Karte Francesco Tottis wegen einer angeblichen Schwalbe. "Wenn man die Zeitlupen-Aufnahme der Szene sieht, kann man den Körperkontakt zwischen Totti und dem Verteidiger sehen. Aber im Spiel war es schwer zu sehen", sagte Codesal, der 1990 das WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien leitete.

Der angegriffene Schiedsrichter selbst rechtfertigte sich vor seiner Abreise noch einmal. "Das ist in der Dynamik der Aktion passiert", sagte Moreno, der ausgerechnet zur gleichen Zeit wie die Italiener für die Abreise am Seouler Flughafen eincheckte und erneut beschimpft wurde.

Zen-Ruffinen ortet schreckliche Fehlerquote

Für FIFA-Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen sind die Patzer von Moreno einige unter vielen. "Es gibt bei der WM eine erschreckende Fehlerquote", sagte er der "Gazzetta dello Sport" (Freitag-Ausgabe). In der italienischen Zeitung hatte bereits FIFA-Präsident Joseph Blatter die Linienrichter-Leistungen als "Desaster" bezeichnet und eine Reform der Auswahl der WM-Unparteiischen gefordert.

Trotz der hitzigen Debatte um Fehlleistungen der Referees nimmt Codesal sie in Schutz. "Die Schiedsrichter haben in den 56 WM-Spielen rund 4000 Entscheidungen getroffen. Dabei machten sie fünf oder sechs wichtige Fehler, dass ist nicht mal ein Prozent und nicht viel", resümierte der Mexikaner. Ihre Fehlurteile gehörten zum Spiel wie die der Trainer oder Akteure. "Wir brauchen mehr Menschlichkeit im Umgang mit den Schiedsrichtern", sagte Codesal.

Dennoch schließt er sich der Forderung von FIFA-Chef Blatter nach Verbesserungen an. "Bei der Weltmeisterschaft treten die besten Spieler und Teams an. Sie sollten von den besten Schiedsrichtern unter Kontrolle gehalten werden, egal welcher Nationalität sie sind", sagte Codesal, "und wir werden von jetzt an die Besten berufen. Dabei ist es gleich, ob sie nur von einer Hand voll Ländern kommen." Bei dieser WM gilt das Prinzip: 36 Referees aus 36 Nationen. (APA/dpa)

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