Verheerender Berg von Elektronik-Müll

24. Juni 2002, 10:00
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Studie: Wachsende Müllkrise wird weiter angefacht - Halbleiterindustrie ist zudem chemikalienintensiv

Washington - Die rasante Verbreitung von Computern und anderen elektronischen Geräten beschert der Welt einer neuen Umweltstudie zufolge einen verheerenden Berg von Elektronik-Müll. Die Produktion der Chips verschlinge zudem Chemikalien in gigantischem Ausmaß, stellt das angesehene "Worldwatch-Institute" in einer Studie fest, die am Freitag in Washington vorgelegt wurde.

"Die kurze Lebensdauer und die wachsende Zahl dieser Geräte fachen die wachsende Müllkrise weiter an", schreibt das Institut. Allein in der Europäischen Union seien 1998 sechs Millionen Tonnen Elektronik- Müll angefallen. Der Umfang wachse nach Schätzungen um bis zu fünf Prozent im Jahr. Ein großer Teil davon muss aber aufgearbeitet werden. In den USA seien 1997 rund 2,9 Millionen Tonnen Elektronikmüll auf Abfallhalden gelandet. In wenigen Jahren werde es wahrscheinlich vier Mal so viel sein. In den USA würden bis Ende 2004 wahrscheinlich 315 Millionen Computer ausrangiert. Der Elektronik- Müll sei besonders umweltgefährlich, schreibt Worldwatch: Er enthalte unter anderem Blei, Kadmium und Quecksilber.

Chemikalienintensive Halbleiterindustrie

Die Halbleiterindustrie, die die Chips für Computer und andere elektronische Geräte produziert, sei so chemikalienintensiv wie keine andere, berichtet Worldwatch. In einer Fabrik kämen bis zu 1.000 verschiedene Chemikalien zum Einsatz. In Santa Clara im Silicon Valley in Kalifornien gebe es inzwischen mehr Giftmülldeponien als in jeder anderen Region der USA. Worldwatch fordert die Industrie auf, umweltverträglichere Chips mit weniger Chemikalien und Computer mit mehr wiederverwendbaren Komponenten herzustellen.

In der Studie "Vital Signs" untersucht das Worldwatch-Institut mehr als 50 Umwelt- und Sozialtrends, darunter so unterschiedliche Aspekte wie die Auto- und Fahrradproduktion, Limonade- und Schokoladeverbrauch, den Chemikalieneinsatz in der Industrie, das Wachstum der Biotech-Industrie, die Höhe der Auslandsverschuldung, das weltweite Spendenverhalten und den Anstieg von Asthma-Fällen.

Windenergie ermutigend

Ermutigend findet das Institut die weltweite Verbreitung der Windenergie, mit Deutschland, gemessen an der Gesamtkapazität, deutlich an der Spitze. Danach wurden im vergangenen Jahr weltweit 24.800 Megawatt durch Windenergie erzeugt, davon mehr als ein Drittel, 8.700 Megawatt, in Deutschland. Weltweit sei die Kapazität innerhalb eines Jahres um 37 Prozent gestiegen, in Deutschland um 43 Prozent. In Dänemark werde bereits 18 Prozent des Energiebedarfs mit Wind erzeugt, in Deutschland 3,5 Prozent.

Das Institut macht zudem ein wachsendes Umweltbewusstsein unter Verbrauchern aus. Der Absatz Energie sparender Leuchtstofflampen sei im vergangenen Jahr um 15 Prozent auf mehr als 600 Millionen gestiegen. Damit würden 40 mittelgroße Kohlekraftwerke überflüssig, meint Worldwatch. In Thailand sei der Anteil von Energie sparenden Kühlschränken 1998 innerhalb von zwei Jahren von zwölf auf 96 Prozent gestiegen. (APA/dpa)

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