Lästige Schuppen am Kopf

21. Juni 2002, 11:26
posten

Die Ursachen können vielfältig sein - Erbfaktoren spielen eine wichtige Rolle

München - Schuppen sind zwar meist harmlos, aber lästig: Wem sie wie Schnee auf die Schultern rieseln, gerät schnell in den Verdacht, sich zu selten die Haare zu waschen. Dabei ist oft das Gegenteil der Fall: Häufiges Waschen kann trockene Kopfhaut zusätzlich reizen, wie Christoph Löser, Facharzt an der Universitäts-Hautklinik Gießen, betont. Deshalb ist es bei der Behandlung von Schuppen entscheidend, den Hauttyp zu berücksichtigen.

Etwa jeder Zweite kämpft im Laufe seines Lebens einmal mit Kopfschuppen. Meist handelt es sich dabei nur um ein kosmetisches Problem. Bei den Betroffenen schuppt sich die Kopfhaut schneller: Normalerweise erneuert sich die obere Hornschicht der Haut in vier Wochen. Bei Menschen mit Schuppen dauert dies nur etwa 20 Tage. Die sonst unsichtbaren Hautpartikel verkleben bei ihnen zu großen Zellklumpen. Wieso manche Menschen stärker unter Schuppen zu leiden haben als andere, ist in der Fachwelt strittig.

Erbfaktoren

Weitgehend einig sind sich die Experten aber darin, dass Erbfaktoren eine wichtige Rolle spielen. Es gebe zwar keine spezifischen Gene, die für die Schuppen verantwortlich seien, sagt der Leiter der Haarsprechstunde an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf, Ralf Paus. Doch werde mit einem bestimmten Hauttyp auch eine Neigung zur Schuppenbildung vererbt. Weitere Auslöser können Stress, häufiges Schwitzen, hormonelle Störungen, Pilzbefall, Allergien und Krankheiten wie die Schuppenflechte sein.

Größten Wert legen Hautärzte darauf, dass es ganz verschiene Formen von Kopfschuppen gibt. Sie unterscheiden zunächst trockene von fetten Schuppen: So kann zu viel Pflege, vor allem heißes Föhnen und alkoholhaltiges Haarwasser, die Kopfhaut austrocknen und damit zu einer starken Schuppung führen, wie Löser erklärt. Diese Schuppenform kann auch ein Symptom von Neurodermitis sein. Fette Schuppen haben dagegen oft ganz andere Ursachen: Wie die Hautärztin Madeleine Schunter aus Laupheim sagt, können sie eine Folge von starkem Schwitzen oder zu seltenem Haarewaschen sein. Aber auch Stress spiele eine wichtige Rolle: Psychische Belastung könne zu Hormonstörungen und damit zu fettiger Haut führen.

Ernährung bei normalen Schuppen ohne Einfluss

Gelegentlich komme es sogar zum Managerekzem, einem juckendem Ausschlag auf dem Kopf, von dem vor allem beruflich stark beanspruchte Männer betroffen seien, sagt die Expertin. Die Ernährung wirkt sich nach neuen Studien offenbar nicht auf die Kopfhaut aus. "Früher hat man auch bei Akne eine regelrechte Diät gemacht", sagt Schunter, "heute weiß man, dass das nichts miteinander zu tun hat." Vorsicht sei allerdings bei Neurodermitis geboten, da viele Betroffene etwa auf Zitrusfrüchte und Kaffee mit Juckreiz reagierten.

Ein wichtiger Auslöser ist Experten zufolge aber der Hefepilz Pityrosporum ovale. Er breitet sich unter bestimmten Bedingungen auf der Haut aus und kann zu Entzündungen und Schuppen führen. "Er liebt es feucht und fett", sagt Paus. Ob die Kopfhaut unter Pilzbefall leidet, kann aber nur der Fachmann erkennen. Daher sollten Menschen mit starker Schuppung zum Arzt gehen, betont Löser.

Empfehlungen

Da Schuppen ein Problem der Veranlagung sind, müssen sich die Betroffenen auf eine Dauerbehandlung einstellen, wie Löser betont. Häufiges Haarewaschen, insbesondere mit aggressiven Schuppenshampoos, sei für Menschen mit trockener Kopfhaut Gift: "Dadurch geraten sie in einen Teufelskreis." Das Waschen bringt nämlich nur scheinbar Erfolg, da sich die gereizte Kopfhaut kurz darauf noch stärker schuppt. Stattdessen sollten die Betroffenen ihren Kopf gelegentlich mit Baby- oder Olivenöl massieren, empfiehlt der Arzt.

Madeleine Schunter weiß noch ein anderes Hausmittel: Wer die Kopfhaut mit schwarzem Tee abtupft, beruhigt Reizungen. Die Ärztin empfiehlt Schuppenshampoos nur bei fettiger Kopfhaut. Doch auch hier sollte man das Mittel bloß gelegentlich verwenden, rät sie. "Auch bei normalen Shampoos sollte man immer abwechseln, da immer Rückstände im Haar bleiben", sagt Schunter. So könnte sich ein Stoff im Haar extrem vermehren, wenn stets dasselbe Mittel verwendet würde.

Von pflanzlichen Mitteln wie Stiefmütterchentee, das mitunter als Anti-Schuppen-Wundermittel gehandelt wird, raten Experten ab. "Bei pflanzlichen Mitteln ist größte Vorsicht geboten, da sie zu einer Sensibilisierung führen könnten", erklärt Löser. Schlimmstenfalls könnte eine Kontaktallergie entstehen. (APA/AP)

Share if you care.