EU seit drei Jahren ohne neue Gentech-Pflanzen

21. Juni 2002, 13:54
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Die Umweltorganisation Greenpeace warnt vor einer Aufhebung des Zulassungsstopps

Wien - Seit 3 Jahren werden in der Europäischen Union keine neuen Gen-Pflanzen zugelassen. Am 24. Juni 1999 haben Frankreich, Griechenland, Italien, Dänemark und Luxemburg beim EU-Umweltministerrat in Luxemburg einen Zulassungsstopp beschlossen. Mangelnde Kennzeichnungspflicht, fehlende Bestimmungen zur Rückverfolgbarkeit und ungenügende Haftungsregelungen haben die 5 Länder bewogen, mit ihrer Sperrminorität alle Gentech-Neuzulassungen zu blockieren. "Das Moratorium war der Durchbruch der gentech-kritischen Stimmen in der EU", freut sich Greenpeace-Gentechnikexpertin Susanne Fromwald. Die Zukunft könnte allerdings einen schweren Rückschritt bringen. "Die USA und auch die EU-Kommission verstärken ihren Druck auf die einzelnen Staaten, noch diesen Herbst ihren Widerstand aufzugeben."

Eine wachsende Zahl von Studien über die negativen Auswirkungen von Gentech-Pflanzen und eine Vielzahl nationaler Importverbote haben dazu geführt, dass es seit 3 Jahren in der EU keine neuen Gentech-Pflanzen gibt. Im Herbst droht das Moratorium allerdings zu kippen: Mit Inkrafttreten der neuen EU-Freisetzungsrichtlinie droht der Zulassungsstopp - nach dem Willen der USA aber auch der EU-Kommission - aufgehoben zu werden.

Österreich zum Handeln aufgefordert

Das österreichische Parlament hat sich im vergangenen Mai für die Fortsetzung des Moratoriums ausgesprochen, die Regierung hat aber bisher keine Maßnahmen gesetzt, um Österreich als Gentech-freie Zone abzusichern. Sogar Kommissar Fischler denkt mittlerweile über Gentech-freie Zonen nach, die Schwierigkeiten eines Nebeneinander von GVO-Anbau und gentech-freier Wirtschaftsweise sind nicht mehr zu leugnen: Erst kürzlich hat eine Studie des "EU Joint Research Centre" belegt, dass die Kosten viele Bauern in den Ruin treiben würden. Von bis zu 40 Prozent Mehraufwand ist die Rede, eine Belastung, die vor allem kleine Betriebe und Biobauern nicht tragen könnten! "Es ist zwingend notwendig, die verbleibende Zeit zu nützen und Österreichs Bauern und Konsumenten auch in Zukunft vor Schäden durch Gentech-Pflanzen zu schützen", fordert Fromwald.

In Österreich wächst der Widerstand gegen Gentechnik in der Landwirtschaft auf allen Ebenen: Über 700 Bürgermeister haben sich einer Initiative von Greenpeace angeschlossen und sich gegen Freisetzungen in ihren Gemeinden ausgesprochen. Die Landtage von Salzburg, dem Burgenland und der Steiermark sowie die oberösterreichische Landesregierung haben ihre Bundesländer zu Gentech-freien Zonen erklärt. "Es ist hoch an der Zeit, dass auch die Bundesregierung aktiv wird. Wenn das Moratorium fällt, könnten bereits nächstes Frühjahr über 20 Gentech-Pflanzen auf Österreichs Äckern wachsen", warnt Susanne Fromwald. "Neben Umwelt- und Konsumentenschutz muss die Regierung endlich auch die wirtschaftlichen Chancen einer gentech-freien Produktion von Lebensmitteln, Futtermitteln oder auch Saatgut begreifen. Ganz Österreich muss zur Gentech-freien Zone erklärt werden", so Fromwald. (red)

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