Al Gore beim "Europa Forum"

21. Juni 2002, 18:33
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Europäisch- amerikanische Diskrepanzen, gemeinsame Werte und globale Probleme

Wien - Als prominenter Vertreter einer Denkungsart, die sich einem weltumspannenden Verantwortungsbewusstsein verpflichtet sieht, weiß Al Gore natürlich, was er seinen Zuhörern schuldig ist. Bei seinem Impulsreferat zum Europa Forum von Creditanstalt und Bank Austria ging der Ex-US-Vizepräsident und glücklose Präsidentschaftsanwärter des Jahres 2000 am Donnerstag denn auch weit über sein eigentliches Thema hinaus. Nicht nur über die "Position Europas zwischen den USA und Asien" referierte er in der Wiener Börse, sondern auch über globale Anliegen.

Viel sei in letzter Zeit die Rede von europäisch-amerikanischen Diskrepanzen gewesen, meinte Gore, und die gebe es - Stichworte: Nato-Finanzierung oder Todesstrafe - ja auch tatsächlich. Doch unterm Strich gesehen würden die gemeinsamen Werte überwiegen: "Hüten wir uns doch davor, die Differenzen zu sehr zu betonen."

Das sei vor allem ratsam, wenn man die wirklich wichtigen globalen Perspektiven und Probleme, die einen dramatischen Zeitenwandel ankündigten, ins Auge fasse: der durch das Internet ermöglichte Quantensprung im Informationsaustausch, die Bevölkerungsexplosion, die Erderwärmung. ("Ist es hier in Wien nicht auch ziemlich heiß?") Letztlich, so Gore, gehe es aber bei all den drängenden Problemen der Menschheit nicht vordringlich um technologische Aspekte, sondern darum, "grundlegende Werteentscheidungen zu treffen. Das mag vage klingen, in Wahrheit ist es außerordentlich wichtig."

Anhaltender freundlicher Applaus für Gore, auch von seinem Vorredner Bundespräsident Thomas Klestil, der in seiner Rede zur Toleranz und Offenheit gemahnt hatte: "Europa abzuschotten wäre wohl das Ende unseres Europäertums." (win/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. 6. 2002)

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