Telekom-Unternehmen sind Informationsmuffel

20. Juni 2002, 19:57
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Studie: Investoren und Analysten fordern mehr Infos über relevante Faktoren

Das Informationsselbstbild von Telekom-Unternehmen differiert stark mit den Wünschen von Analysten und Investoren. Wie eine heute, Donnerstag, von der Unternehmensberatung PricewaterCoopers (PwC) vorgestellte Umfrage zeigt, fühlen sich Investoren und Analysten nicht aktiv genug informiert. Viele von den Telkos kommunizierten Inhalte würden nicht über Pflichtveröffentlichungen hinausgehen. Die Kapitalmärkte würden mehr Informationen über relevante Faktoren der Unternehmensentwicklung benötigen. "Die Unternehmen der Telekommunikationsbranche müssen verstehen, welche Themen für die Akteure der Kapitalmärkte heute am wichtigsten sind", so Ernst-Wilhelm Frings, Mitglied des PwC-Vorstandes.

Fragen, Fragen, Fragen, ...

Für die Studie "Communicating Value in the Telecommunications Industry" wurden weltweit Führungskräfte von 37 Telekommunikations-Unternehmen sowie 48 institutionelle Investoren und 28 unabhängige Analysten - primär aus den USA und Europa - befragt. Neun der befragten Unternehmen erwirtschaften einen Jahresumsatz von mehr als zehn Mrd. Dollar, bei elf Unternehmen liegt er zwischen einer und zehn Mrd. Dollar. Über drei Viertel der Führungskräfte von Unternehmen der Telekommunikationsbranche weltweit sind der Meinung, die Kapitalmärkte würden die Aktien ihrer Firmen unterbewerten. Dabei sind 24 Prozent der Manager der Ansicht, ihr Informationsverhalten gegenüber den Märkten sei sehr gut für die Vermittlung des realen Unternehmenswertes geeignet. Nur acht Prozent der Investoren teilen diese Meinung. Fast zwei Drittel der befragten Führungskräfte geben an, aktiv zu kommunizieren und Kontakte zu Anlegern aufzunehmen. Dieser Ansicht stimmt jedoch nur rund jeder zehnte Investor und Analyst zu. Die Hälfte der Investoren und 71 Prozent der Analysten, aber nur 14 Prozent der Unternehmensvertreter gehen davon aus, dass die Unternehmens-Infos nicht oder kaum über das gesetzlich geforderte Minimum hinaus gehen.

Marktanteile und Umsatz

Viele finanzielle und darüber hinaus gehende Kennzahlen, die für Investoren und Analysten interessant sind, werden von den Unternehmen nicht als wichtig erachtet und deshalb nicht kommuniziert. So sind beispielsweise Angaben über Marktanteile und Umsatz einzelner Produkte für über 90 Prozent der Investoren und Analysten sehr wichtig, aber nur 60 Prozent der Führungskräfte der Telekommunikationsunternehmen teilen diese Ansicht. Nur durch ein besseres Informationsverhalten können die Unternehmen einen höheren Aktienkurs, größeres Vertrauen in das Management und besseren Zugang zu neuem Kapital erreichen. "Unternehmen und Kapitalmärkte messen einzelnen Indikatoren unterschiedliches Gewicht bei - mit fatalen Folgen", so Frings. "Wenn Analysten und Investoren keine ausreichenden Informationen über Kennzahlen erhalten, die für sie wichtig sind, entsteht im Markt eine Unsicherheit, die letztlich zu höherer Volatilität der Aktienkurse führen kann." (pte)

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