Ultimative Stammzelle

20. Juni 2002, 19:34
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Adulte so differenzierungsfähig wie embryonale - gleich zwei Erfolgsmeldungen von Forscherteams

Minneapolis/Bethesda - Während im US-Parlament die Entscheidung über Stammzellenforschung blockiert ist, kommen von der Forschungsfront gleich zwei Erfolgsmeldungen: Mit den ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen hatte ein Team am National Institute of Neurological Disorders and Stroke, Bethesda, bei Parkinson Erfolg; und bei den nicht ethisch, aber in ihrer Wirksamkeit umstrittenen adulten Stammzellen hat Catherine Verfaille, University of Minnesota, Minneapolis, eine gefunden, die so gut - differenzierungsfähig - sein soll wie embryonale.

Das US-Parlament ist blockiert, weil zwar das Repräsentantenhaus jenes therapeutische Klonen ablehnt, mit dem man embryonale Stammzellen gewinnen will (und die Embryonen zerstört). Aber im Senat findet sich seit Wochen keine Mehrheit, ein Versuch der Klongegner, ein Verbot als Anhang zu einem ganz anderen Gesetz durchzubringen - in den USA ein beliebtes Verfahren - ist gerade gescheitert.

Bilden alle Gewebe

Umso willkommener für diese Fraktion Verfailles Befund: Die Forscherin hat - an Mäusen - eine adulte Stammzelle identifiziert, die sich in die meisten, wenn nicht alle Zelltypen des Körpers ausdifferenzieren kann: Gibt man diese Zellen in Embryonen, bestehen bis zu 40 Prozent der daraus wachsenden Mäuse aus ihnen; aber auch in ausgewachsenen Mäusen verwandeln sie sich in die verschiedenen Gewebe.

Zudem altern diese Zellen in Kultur nicht und sie haben auch nicht das Risiko embryonaler Stammzellen, sich zu Tumoren auszuwachsen. Das taten allerdings auch die embryonalen Stammzellen nicht, mit denen die Forscher in Bethesda - auch an Mäusen - Erfolge bei Parkinson hatten. Sie haben die Zellen durch den Einbau eines besonderen Gens in Richtung jener Gehirnzellen ausdifferenzieren können, die Dopamin erzeugen. Der altersbedingte Verlust solcher Zellen gilt als Ursache der Hirnkrankheit. Deren Symptome gingen denn auch bei den Mäusen zurück.

Allerdings lässt sich die Differenzierung von Stammzellen noch nicht exakt steuern - man bekommt keine reinen Fraktionen -, nicht einmal an Mäusen, mit deren embryonalen Stammzellen man seit über 20 Jahren experimentiert. Der Weg zum Menschen ist lang. (jl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. 6. 2002)

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