Neue Kommandanten, neue Offizierstitel

20. Juni 2002, 19:56
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Zahl der Generäle auf ein Viertel reduziert

Wien - Österreichs Bundesheer hat ab 1. Dezember einen neuen höchsten Offizier: Roland Ertl, derzeit im Divisionärsrang, wird dann zum General aufrücken und als Generalstabschef den gesamten militärischen Bereich des Bundesheeres leiten. Der Posten hebt bisherige Unklarheiten in den Zuständigkeiten des Verteidigungsministeriums auf. General Ertl wird unmittelbar dem Minister unterstehen und neben sich nur mehr zwei andere Sektionschefs (für die so genannte Zentralsektion und die Kontrollsektion) haben. Bisher hatte der Generaltruppeninspektor vier Sektionschefs neben sich.

Neu ist, dass die höchsten Offiziere nach internationalen Maßstäben eingestuft werden. Bisher gab es vier Generalsränge, sie reichten vom Brigadier (ein Stern im Spiegel), über den Divisionär (zwei Sterne) und den Korpskommandanten (drei Sterne) bis zum eigentlichen General (drei Sterne mit Eichenlaub).

Dazu muss man wissen: Österreich hat seit der Auflösung der Panzergrenadierdivision durch Werner Fasslabend überhaupt keine Divisionen mehr - Brigaden werden oft nicht von Brigadieren, sondern von Obersten geführt. Dafür stiegen Militärkommandanten automatisch in den Divisionärsrang auf, Brigadiere besetzten Managementpositionen im Ministerium oder wurden als Militärattachees ins Ausland geschickt (andere Staaten begnügen sich mit einem Oberst als Militärdiplomat).

Scheibner plant nun, sämtliche Posten zurückzustufen - pro Abteilung soll es nur mehr einen Offizier im Brigadiersrang geben, nämlich als Abteilungsleiter. Die Zahl der Abteilungen im Ministerium wird von 56 auf 44 reduziert, die "selbstständigen Referate", derzeit 31, werden ganz gestrichen. Jene, die in Generalsränge aufsteigen, werden erst Brigadier, dann Generalmajor (zwei Sterne) und Generalleutnant (drei Sterne).

General soll es mittelfristig überhaupt nur mehr einen geben, nämlich den Generalstabschef. Statt rund 400 wird es nach Pensionierung der bisher in einem der Generalsränge dienenden Offiziere nur mehr 100 im Rang vom Brigadier aufwärts geben.

Von den am Donnerstag bestellten Spitzenoffizieren ist nur einer eindeutig der Ministerpartei FPÖ zuzuordnen: Divisionär Kurt Mörz, der 16 Jahre lang des Heeresbau- und Vermessungsamt sowie zuletzt auch die die Abteilung Bauinfrastruktur geleitet hat. (cs/DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2002)

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    Der designierte neue Generalstabschef des österreichischen Bundesheeres, Roland Ertl

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