FPÖ macht Druck für Gesundheitsunis

20. Juni 2002, 18:11
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Abänderung des Universitätsgesetzes im Parlament denkbar - Widerstand der Betroffenen

Wien - Eigene "Gesundheitsuniversitäten" wünschen sich die Freiheitlichen. Ihr Wissenschaftssprecher Martin Graf versucht nun, das dem Parlament zugeleitete und am 11. Juli zum Beschluss vorliegende Universitätsgesetz in diesem Punkt noch zu ändern. Seinen Vorstellungen zufolge könnten Pharmazie, Krankenhausmanagement, Ernährungs- sowie die Sportwissenschaften mit der (aus der Hauptuni bald ausgegliederten) Medizin unter einem Dach vereint werden.

Dem stehen allerdings die Betroffenen sowie der Regierungspartner ÖVP reserviert bis ablehnend gegenüber.

An den Universitäten vermutet man hinter dem blauem Wunsch nicht die lautersten Absichten: Weil Heilberufe eine Lizenz des Gesundheitsressorts brauchen, hätte das derzeit freiheitlich geführte Staatssekretariat ein starkes Argument, um einen eigenen (FPÖ-)Vertreter in den fünfköpfigen Universitätsrat entsenden zu können. Dieser Rat wird künftig vor allem Aufsichtsrats-, aber auch strategische Funktion bekommen.

In der FPÖ findet man den Zeitpunkt für diese Art von universitärer Profilbildung besonders günstig: weil jetzt ohnehin "alle Karten neu gemischt werden".

Mediziner: Pfusch

Widerstand gegen Gesundheitsuniversitäten kommt aber nicht nur von den Ärzten, sondern auch von der Pharmazie inklusive der Apothekerkammer, die ohnehin kein friktionsfreies Verhältnis zu den Medizinern pflegt.

Für Wolfgang Schütz, Dekan an der Medizinischen Fakultät in Wien, wäre diese neue Wendung vor allem eines: Pfusch. "So etwas bedarf einer langfristigen Planung." Außerdem würde sich "die Katze in den Schwanz beißen": Denn dann bräuchte man neuerlich eine Sonderregelung für den klinischen Bereich - und genau mit diesem Argument löse man derzeit ja die Medizin von der Hauptuni. Außerdem könne er sich kaum vorstellen, dass die Gemeinde Wien (als Spitalserhalter) ein Interesse daran hätte, zur Uniklinik sozusagen auch noch die Pharmazeuten oder die Psychologen dazuzubekommen.

An den Universitäten herrscht indessen noch nicht einmal Konsens über die Medizinunis. Rektorenchef Georg Winckler ist weiterhin der Meinung, dass diese dem internationalen Trend widersprächen, wie er bei einer Gesundheitsenquete der Wiener Ärztekammer im AKH meinte. Die dort anwesenden Professoren berichteten von Problemen, die sich auch in einer neuen Struktur nicht automatisch lösen: Es gebe wenig Motivation und keinerlei finanzielle Anreize, Spitzenforschung zu betreiben.
(Martina Salomon/DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2002)

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