United will finanzielle Opfer von Mitarbeitern

20. Juni 2002, 19:47
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Die zweitgrößte US-Fluglinie verordnet sich eine drastische Schlankheitskur

Chicago - Im Vorjahr musste United Airlines (UAL) als Folge der Terroranschläge am 11. September einen Verlust von 2,1 Mrd. Dollar (2,2 Mrd. EURO) hinnehmen. Einen Restrukturierungsplan muss United (sie ist Star-Allianz-Partner der AUA) schon deshalb vorlegen, um die Voraussetzungen für weitere Finanzhilfen der US-Regierung zu erfüllen.

Deadline dafür ist der 28. Juni. Derzeit verhandeln Management und Arbeitnehmervertreter auf Hochtouren. "Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter Konzessionen machen und Opfer bringen" appelliert UAL-Präsident Rono Dutta an die Solidarität der rund 80.000 Beschäftigten. Als Erstes sucht die Unternehmensführung den rund 10.000 Piloten ihren Sanierungsplan schmackhaft zu machen. Mit einer Vereinbarung in der Tasche glaubt das Management auch die noch widerstrebenden Gewerkschaften der Mechaniker und Flugbegleiter von der Notwendigkeit des Sparens überzeugen. Wenn diese harte Überzeugungsarbeit gelingt, will United eine neue Finanzspritze beantragen.

Die Airline kann die Staatshilfen aus Washington mehr als gut gebrauchen, auch wenn die unmittelbare Gefahr der Pleite, die im Herbst bestanden hatte, abgewendet ist. "Wir sind noch nicht aus dem Gröbsten heraus, aber wir fühlen uns schon viel sicherer", sagte der United-Präsident. Entscheidend für die weitere finanzielle Flugroute sei die kommende Nebensaison, sprich der nächste Winter. Insgesamt soll das Bündel aus Lohnkürzungen und dem Verzicht auf andere finanzielle Zusatzleistungen dem Unternehmen in den nächsten drei Jahren Ersparnisse von 430 Mio. Dollar (447,1 Mio. EURO) bringen, rund 200 Mio. Dollar sollten davon die im Branchenvergleich sehr gut bestallten Piloten beitragen.

Personalkosten

Pferdefuß bei United Airlines sind die hohen Personalkosten, sie belaufen sich auf 40 Prozent der Aufwendungen. "Wären die Personalkosten auf dem Niveau anderer US-Fluglinien, würde United tiefschwarze Zahlen schreiben. Wir müssen also näher an unsere Mitbewerber herankommen", so Dutta. Im Vergleich zu Continental seien die Personalaufwendungen um bis zu 30 Prozent höher, selbst wenn man den finanziellen Vorteil des wesentlich weitläufigeren United-Netzes abziehe, sei der Abstand zu Continental bei den Personalkosten noch immer rund 15 Prozent. Massiv Kosten sparen will der US-Carrier auch im Vertrieb.

Hier nannte der Firmenpräsident die Gebühren für Kreditkarten und die Vertriebskosten. Nicht weiter allein tragen will United besonders die Buchungsgebühren der globalen Reservierungssysteme. Man müsse die Reisebüros und andere Ticketverkäufer zu mehr Disziplin erziehen. "Kommt eine Buchung aus einem anderen als dem United-System, müssen wir 14 Dollar zahlen. Das auch bei einem Ticketpreis von 80 Dollar." Zur Disposition stünden auch die Serviceleistungen für jene Passagiere, die mit Billigtickets fliegen. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 21.6.2002)

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