Diesel, Dampf und Buchteln

    15. Juni 2002, 13:20
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    Mit der Zahnradbahn auf den Hochschneeberg, per pedes auf dem Bahnwanderweg bergab - Ein Ausflug mit kulinarischem Höhepunkt

    Jetzt hat auch die Zahnradstrecke auf den Hochschneeberg ihren Bahnwanderweg, nachdem man mit dieser Art Route auf der Semmering- und später auf der Mariazellerbahn recht gute Erfahrungen gemacht hat. Und wenn man sich ein wenig mit Geschichte und Bedeutung der in den Jahren 1896 und 1897 vom Bauunternehmer L. Arnoldi errichteten Strecke beschäftigt, kann man diesem neuen Bahnwanderweg einiges abgewinnen. Zumal er auch einen kulinarischen Höhepunkt hat: die mit Topfen oder Marillenmarmelade gefüllten Buchteln in der Gastwirtschaft der Station Baumgartner. Diese Mehlspeise zu verkosten, sollte sich niemand entgehen lassen.

    Bei der Bergfahrt nehmen auch die neuen, dieselgetriebenen Feuersalamander-Triebwägen einen längeren Aufenthalt, damit die Passagiere nicht um den Genuss dieser Köstlichkeiten kommen; die nostalgischen Dampfzüge müssen ohnedies einen längeren Stopp einlegen, weil sie Wasser fassen.

    "Hatscherte Kathi"

    Die 9,5 km lange, meterspurige Zahnradstrecke (System Abt) von Puchberg zur höchstgelegenen Bahnstation Österreichs weist eine durchschnittliche Steigung von mehr als zwölf Prozent und eine Maximalsteigung (oberhalb der Station Baumgartner) von 20 Prozent auf. Durch den Einsatz moderner und gestylter Dieseltriebwägen hat die Bahn stark gewonnen, wenngleich auch die Dampfzüge mit den über hundert Jahre alten Lokomotiven – früher "hatscherte Kathi" genannt – ihre Freunde haben.

    Über die Bahn liest man im "Spezial-Führer auf den Schneeberg" von Fritz Benesch aus dem Jahre 1919: "Die Zahnradstrecke von Puchberg auf den Schneeberg dient wohl hauptsächlich der Zufuhr großer Massen von Nichtturisten, ist aber zweifelsohne besonders bis zur Haltestelle Baumgartnerhaus auch für die Turistik von Wert, da sie uns die Mühe des Anstiegs durch die weniger interessante Waldregion erspart (...) Die glücklich gewählte Linienführung hat überdies keine nennenswerte Verunzierung des Berges zur Folge."

    Vor wenigen Jahren befand sich die Zahnradbahn in einer Krise und war von der Einstellung bedroht. Um ihren Bestand zu sichern, braucht sie Passagiere – auch solche, die bergab den Bahnwanderweg wählen.

    Die Route

    Bei der Station Hochschneeberg stößt man auf die ersten Schilder des Bahnwanderweges, die gelb gehalten und mit grüner Aufschrift versehen sind. Der Weg folgt im Wesentlichen den alten markierten Steigen. Bis zum Baumgartner geht es im freien Gelände etwas steiler hinab, denn wird's bequem. Beim Kaltwassersattel sollte man nach rechts den – blau markierten – Abstecher zur romantischen Kaltwasserwiese mit der Ternitzer Hütte wählen. Bei der Station Hengsthütte erreicht man wieder den Bahnwanderweg, dem man bis Puchberg folgt.

    Gehzeit 3 Stunden, Höhendifferenz im Abstieg 1200 m. Baumgartner durchgehend offen, Ternitzer Hütte zumindest an Wochenenden/Feiertagen. Bundesamtskarte Rax-Schneeberg, 1:25.000 (Bernd Orfer/DER STANDARD, Printausgabe)

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