Hamas und Jihad weisen Arafats Appell zurück

20. Juni 2002, 16:21
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"Dieser Krieg ist uns von Israel aufgezwungen worden"

Gaza - Die radikalen palästinensischen Organisationen Hamas und "Islamischer Heiliger Krieg" (Jihad Islami) haben den Appell von Präsident Yasser Arafat, von allen antiisraelischen Selbstmordanschlägen Abstand zu nehmen, am Donnerstag zurückgewiesen. Die Angriffe auf die israelische Zivilbevölkerung gingen weiter, solange Israel palästinensische Zivilisten töte, sagten Führungsmitglieder von Hamas und Jihad in Gaza. "Wir handeln nur in legitimer Selbstverteidigung. Es ist Israel, das unschuldige Kinder und Frauen tötet. Dieser Krieg ist uns von Israel aufgezwungen worden", sagte der Jihad-Funktionär Nafez Assam zu der im palästinensischen Rundfunk stündlich wiederholten Aufforderung Arafats, die Zivilbevölkerung Israels zu schonen.

"Wie sollte Israel in Nablus und Kalkilia angreifen dürfen, während uns das Recht verwehrt wird, Israel in Tel Aviv und Haifa anzugreifen?", fragte der Hamas-Funktionär Abdelaziz Rantisi. Dienstag und Mittwoch starben bei palästinensischen Selbstmordattentaten in Jerusalem 25 Israelis und die beiden Täter. Zu den Anschlägen bekannten sich Hamas und die "Al-Aksa-Märtyrerbrigaden", die aus radikalen Elementen von Arafats Fatah-Bewegung zusammengesetzt sind.

"Bewegung des Islamischen Widerstandes"

Die Hamas-Bewegung entstand während des Volksaufstands (Intifada) in den besetzten Gebieten von 1987 bis 1993. "Hamas" ist die Abkürzung für "Bewegung des Islamischen Widerstandes". Ihre Hochburg liegt im Gaza-Streifen. Ihr militärischer Arm "Ezzedin el Kassam" hat sich zu einer Reihe von Selbstmordanschlägen bekannt. Ezzedin el Kassam war ein nationalistischer arabischer Scheich, der 1935 im Kampf gegen die damalige britische Mandatsmacht umkam.

Der Gründer und geistliche Führer der Hamas, Scheich Ahmed Yassin, war 1997 nach zehnjähriger Haft in Israel auf jordanischen Druck freigelassen worden. Der damalige König Hussein hatte Yassins Freilassung ultimativ verlangt, nachdem zwei mit gefälschten kanadischen Pässen ausgestattete Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad nach dem gescheiterten Versuch, den Hamas-Führer Khaled Mechaal in Amman zu ermorden, von den jordanischen Behörden festgenommen worden waren. Die Hamas fördert eine Reihe sozialer Projekte in den Palästinensergebieten und sichert damit ihren Rückhalt in der Bevölkerung. Sie ist die stärkste Oppositionsbewegung gegen Arafat. Nach israelischen Angaben wird sie finanziell sowohl vom Iran als auch von Saudiarabien unterstützt.

Eine der für Israel gefährlichsten Untergrundorganisationen, die Gruppe "Jihad Islami" entstand vor über zwei Jahrzehnten. Der Extremistenführer Fathi Shkaki, der in Kairo Medizin studierte und seit 1979 in einem Jerusalemer Krankenhaus arbeitete, gilt als ihr Gründer. Er wurde im Oktober 1995 auf der Insel Malta erschossen - vermutlich von israelischen Mossad-Agenten. Zuvor hatte er viele Monate in israelischen Gefängnissen verbracht und dennoch die Fäden der Organisation in der Hand behalten. Im August 1988 wurde der glühende Anhänger der iranischen Revolution von den Israelis in den Libanon deportiert, später ging er nach Damaskus. Von dort aus rekrutierte er Anhänger in mehreren Ländern und dirigierte mit einem ausgeklügelten Netz von Kurieren die Zellen seiner Organisation in den von Israel besetzten Gebieten. Eine Reihe blutiger Anschläge und Selbstmordattentate vor allem nach dem israelisch-palästinensischen Grundlagenvertrag 1993 wurde der Organisation angelastet. Shkaki sagte einst in einem Interview, "wirklicher Frieden kommt erst, wenn Israel von der Landkarte verschwindet." (APA/Reuters)

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