15 Jahre Haft für Mord an Ehefrau

20. Juni 2002, 15:44
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Sie wollte ihn verlassen - Angehörige forderte lebenslang

Weil er seine Ehefrau Martina (29) am 2. September 2001 in der gemeinsamen Wohnung in Wien-Favoriten erschossen hatte, wurde Thomas H. am Donnerstagnachmittag im Straflandesgericht wegen Mordes zu 15 Jahren Haft verurteilt. Eine Angehörige des Opfers war damit nicht einverstanden. "Lebenslang hätte er kriegen sollen", schrie sie bei der Urteilsverkündung unter Weinkrämpfen, worauf sie des Saales verwiesen wurde. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Thomas H. erbat sich Bedenkzeit.

Mit zwölf hatte er seine spätere Frau in einem Jugendzentrum kennen gelernt. Mit 17 bezogen die beiden eine gemeinsame Wohnung. Zuletzt kam es aber immer wieder zu Streitereien: Sie konnte sich nicht damit abfinden, dass ihr Mann außereheliche Beziehungen pflegte und seine Freundinnen auch noch bei sich aufnahm. Angeblich wollte sie ihn deswegen verlassen. Damit konfrontiert, soll der 29-Jährige ein Mal angekündigt haben: "Nur der Tod kann die Ehe trennen."

"Schießunfall"

Der Detektiv stellte die Tat als "Schießunfall" dar. Aus einer "Mischung aus Rage und Ärger, dass es schon so lange Streit gibt" habe er zu seiner Glock 26 gegriffen und die Waffe zunächst gegen seine Schläfe gerichtet. "Ich wollte ihr zeigen, dass ich nicht mehr kann. Ich habe es als Zeichen meiner Ausweglosigkeit getan. Es war ein Hilfeschrei", erklärte er dem Schwurgericht (Vorsitz: Frederick Lendl, Staatsanwalt Peter Losert).

Da dieser "Hilfeschrei" offensichtlich nicht den gewünschten Erfolg brachte, zielte Thomas H. mit der Pistole schließlich auf seine Frau. "Wodurch sich der Schuss gelöst hat, kann ich bis heute nicht sagen", behauptete der mit Waffen bestens vertraute Mann. Er habe "nicht bewusst" geschossen: "Ich habe nicht abgedrückt. Ich bin erschrocken, als es gekracht hat." Als Erklärung führte er "nervöse Zuckungen" ins Treffen, die ihn "ständig, wenn auch nicht alle zehn Minuten" geplagt hätten, seit das Zusammenleben nicht mehr in den von ihm gewünschten Bahnen verlief.

Zeitweise lebte Thomas H. mit drei Frauen unter einem Dach. "Das gibt es, dass Menschen gleichzeitig in mehrere andere verliebt sind", wusste sein Verteidiger Rudolf Mayer. Als eine von ihnen Anfang 2001 auszog, kündigte der Mann seiner Ehefrau und seiner Freundin Siegrid F. (24), die er mit ihrer Tochter bei sich aufgenommen hatte, an, er werde sich umbringen, wenn eine von ihnen ihn verlassen sollte.

"Dreiecksverhältnis"

Er konnte nicht verstehen, dass seine Frau mit dem zuletzt bestehenden "Dreiecksverhältnis" nicht mehr einverstanden war. "Anfangs war es ein Abenteuer und eine Ablenkung für Martina und mich", meinte er. Es sei ja auch alles gut gegangen: "Abgesehen von Zwistigkeiten, die es in jeder Zweierbeziehung auch gibt." Am Tag der Tat versperrte sich Martina H. den Wünschen des Detektivs, der mit den zwei Frauen nach eigenen Angaben "kuscheln" wollte.

"Ich wollte einen schönen Sonntag verbringen. Martina hat noch Kipferln gemacht, das Frühstück vorbereitet. Aber dann war sie nicht in der Nähe von mir. Es war ja keine Ausnahmesituation, dass wir zu dritt im Bett waren. Ich wollte nur ihre Nähe spüren", berichtete er den Geschworenen. Das führte dann zum letzten Endes tödlichen Streit.

Martina H. wurde aus einer Entfernung von 1,6 bis zwei Meter in die Lunge getroffen. Siegrid F. eilte herbei und versuchte die stark blutende Wunde zu versorgen, während der Schütze die Rettung verständigte. Die 29-Jährige erlag im Spital während der Notoperation ihren Verletzungen. (APA)

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