Erste Bank will mit Internet verdienen - e-Business nicht Selbstzweck

20. Juni 2002, 14:38
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Schwere Zeiten für Online-Broker

Die Erste Bank will über das Medium Internet zusätzlichen Nutzen für den Kunden schaffen, ohne den Weg einer Retail-Bank mit Kundennähe und persönlicher Beratung zu verlassen. Allerdings dienen die teilweise sehr kostspieligen Serviceleistungen keineswegs dem Selbstzweck. Einige e-Business-Bereiche des Instituts wie das netbanking sollen direkt Geld verdienen, andere, wie die Immobilien-Site der Sparkassengruppe, primär Marketingaktivitäten dienen.

Zusätzlich lassen sich auch mittelbar durch die Nutzung von e-Business über die Freisetzung von Ressourcen und Kapazitäten "Benefits" kreieren. "Wir wollen möglichst viel Administration und Service aus den Filialen herausbekommen", erklärte der Leiter des e-Business, Peter Neubauer, am Donnerstag vor Journalisten. Dadurch werde für Filialmitarbeiter mehr als derzeit 20 Prozent der Arbeitszeit bleiben, um sich der persönlichen Beratung der Kunden zu widmen.

Relaunch

Für Sommer kündigt Neubauer den Relaunch des Internetauftritts an. Mit einer "moderneren Site" wolle man sich der Öffentlichkeit als zentraleuropäische Finanzgruppe präsentieren. Informationen über die "Sporitelnas", die Ost-Töchter der Gruppe, sollen dem Publikum ebenso zugänglich sein wie über den heimischen Sparkassensektor. Zudem soll der neue Webauftritt die Kundennähe erhöhen: "Wir wollen das Internet auch nutzen, um näher an den Kunden heranzukommen und mit ihm zu kommunizieren", erklärte Neubauer.

Mit netpay, dem Zahlungssystem für Internet-Einkäufe, versucht die Erste Bank, den Kunden "optimale Sicherheit und Bequemlichkeit zugleich" zu bieten. Die Vorteile für den Händler sieht Neubauer in der Zahlungsgarantie der Erste Bank, den geringen Kosten und der raschen Gutschrift von Kundenzahlungen.

"Unten den gegebenen Umständen zufrieden stellend" beurteilt Neubauer den 50-prozentigen Anstieg der Kunden des Online-Brokers ecetra auf 12.000, denn "der Markt ist seit zwei Jahren traurig". Zum jetzigen Zeitpunkt habe es jeder Anbieter schwer, grundsätzlich sei der Vertrieb der "kritische Erfolgsfaktor" für Online-Broker.

Überwiegend zufrieden zeigte sich der Chef des e-Business der Erste mit der Entwicklung der einzelnen "Internet-Channels". Nicht zuletzt die Euro-Umstellung habe für "tolle Zahlen" gesorgt. Beim netbanking, dem Channel für Privatkunden, stieg die Anzahl der Kunden des Sparkassensektors seit Jahresbeginn um 41 Prozent auf 314.000. Einen Anstieg um 72 Prozent auf 184.000 Kunden weist das phonebanking auf, der Channel für Firmenkunden, telebanking, vergrößerte seinen Kundenkreis um fünf Prozent auf 28.000. Als "traurig" bezeichnete Neubauer hingegen die Entwicklung des mobilebanking, für das der Sektor bis Mai 2002 bloß 9.900 Nutzer begeistern konnte.(APA)

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