"Unfassbarer Pfusch"

20. Juni 2002, 14:23
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Ärzte üben scharfe Kritik an der Chipkartengebühr - Wenn Regierung auf Inkasso besteht, folgen "ziviler Ungehorsam" und Streik

Wien - Die Ärztekammer will die Einhebung der Chipkartengebühr nicht widerspruchslos hinnehmen. Sollte die Bundesregierung das Inkasso in einer "Nacht- und Nebelaktion den Ärzten auferlegen", seien Warnstreiks mit Ordinationsschließungen, "ziviler Ungehorsam" oder die Kündigung der Verträge mit dem Hauptverband möglich. "Die Regierung hat damit zu rechnen, dass die Ärzteschaft alle nur erdenklichen Schritte ergreifen wird", gibt sich Dorner kämpferisch.

"Wir sind doch nicht das Inkassobüro der Sozialversicherung", ist der Ärztevertreter empört. Die vorgesehene Regelung sei ein "unfassbarer Pfusch", da nicht einmal klar sei, wem das Geld gehört, ob es der Arzt versteuern muss, welches Entgelt die Ärzte für die Administration bekommen und wie die Ärzte kontrollieren sollen, ob der Patient zahlen muss oder nicht.

Boykottmaßnahmen verständlich

Etwaige Boykottmaßnahmen von Kassen würde Dorner verstehen. Sollte die Regierung glauben, Ärzte administrativ weiter belasten zu können, dann wollen diese die Patienten informieren, wer schuld daran ist, dass Ärzte so wenig Zeit für ihre Patienten haben: "nämlich die Chipkarte und jene Regierung, die Ärzte dazu zwingt, statt Patienten die Bürokratie der Sozialversicherung zu behandeln."

Dorner setzt seine Hoffnung auf den Sozialausschuss - sollte die e.card aber "gemeinsam mit einem mittelalterlichen Steuereintreibungssystem gekoppelt" eingeführt werden, prophezeit er der Regierung "bereits jetzt ein gesundheitspolitisches Waterloo". (APA)

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