E-Government in EU auf dem Vormarsch

20. Juni 2002, 14:04
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Bereits 55 Prozent der öffentlichen Dienstleistungen online zugänglich

E-Government, die elektronische Bereitstellung öffentlicher Dienstleistungen, ist in Europa auf dem Vormarsch. Wie aus einer aktuellen Studie der Europäischen Kommission hervorgeht, hat sich die Zugänglichkeit und Interaktivität der öffentlichen Dienste über das Internet im letzten Jahr um ganze zehn Prozentpunkt auf 55 Prozent erhöht. Das heißt, bereits mehr als die Hälfte aller öffentlichen Dienstleistungen sind in den untersuchten Ländern (EU-Mitgliedsländer plus Island, Norwegen und die Schweiz) online zugänglich. Die Hälfte davon sind schon auf gutem Weg zur "vollen Transaktionsfähigkeit", heißt es in der Studie.

Unterschiedlichkeiten

Gleichzeitig bestehen jedoch große Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten öffentlicher Dienste. Von den erfassten Dienstleistungen richten sich 12 an die Bürger und acht an die Unternehmen. Insgesamt sind die Dienste für Unternehmen besser ausgebaut als die für die Bürger (68 Prozent gegenüber 47 Prozent) und entwickeln sich auch schneller weiter. Die einnahmeorientierten Dienste (Steuern, Sozialbeiträge) sind am besten entwickelt (79 Prozent), dann kommen Meldedienste (Autoanmeldung, Unternehmensgründung) sowie soziale Leistungen. Am wenigsten ausgebaut sind Dienste im Zusammenhang mit Dokumenten und Genehmigungen, heißt es in der Studie, die im Auftrag der Kommission von Cap Gemini Ernst & Young erstellt wurde. Trotz der bedeutenden Fortschritte in fast allen Ländern gebe es aber zwischen ihnen riesige Unterschiede in einer Spannbreite von 22 bis 85 Prozent.

Zentrale Services

Generell, so die Studie, sind straff durchorganisierte öffentliche Dienste wie die Erhebung von Steuern, für die meist die Zentralregierung zuständig ist, am besten elektronisch ausgebaut und haben die meisten Fortschritte zu verzeichnen. Relativ einfache öffentlich Dienste, die häufig auf lokaler Ebene organisiert werden, z.B. öffentliche Bibliotheken, kommen mit nutzerorientierten Portallösungen gut voran. Komplexere Dienstleistungen wie z.B. im Bereich der Sozialbeiträge erfordern jedoch eine Umstellung der internen Verwaltungsabläufe, bevor sie interaktiv über das Internet angeboten werden können. Dagegen kommen öffentliche Dienste auf lokaler Ebene, die mit komplizierten Verfahren verbunden sind wie beispielsweise die Erteiligung von Umweltgenehmigungen, meist über die Stufe der Information nicht hinaus. Der Ausbau auch dieser Dienste bis zur vollständigen Transaktionsfähigkeit setze eine umfassende Neugestaltung der Verwaltungsabläufe voraus, schreibt die Kommission. (pte)

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