Neue Mix-CDs - und was sie können

20. Juni 2002, 17:36
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Von 2 Many DJs, Groove Armada und Gilles Peterson

2 MANY DJs:
As Heard On Radio Soulwax Pt. 2
(Pias)
Im Windschatten der DJ-Kultur etablierte sich in den letzten zehn Jahren eine eigene Tonträgersparte, das DJ-Mix-Album. Also Alben, die von mehr oder meistens weniger begnadeten Musikselektoren zusammengestellt werden, und die in den seltensten Fällen über zweckgebundene Hintergrundmusik hinausragen. Man muss hier keine Namen nennen. Als Reaktion auf die diesbezüglich inflationären Veröffentlichungsfluten, gehen die programmatisch benannten 2 Many DJs mit einer CD an den Start, die sich auf die ursprüngliche Idee der DJ-Kultur besinnt. Nämlich sich aus seinen Lieblingsalben die Lieblingsstellen rauszusuchen und sie gegeneinander und ineinander zu mischen. Über 100 verschiedene Titel verarbeiten die nicht näher genannt werden wollenden Belgier David und Stephen zu einer abenteuerlichen Tour de Force. Von Emerson, Lake & Palmer über Velvet Undergound bis zu Basement Jaxx und Garbage spannen die 2 Many DJs den Bogen. The Cramps und die Stooges vermischt man ebenso in einen magnetisierenden Dance-Floor-Killer wie New-Order-Stücke oder die Detroiter Grand Pubahs. Dabei verkommt das Album nie zur Angeberei, sondern bleibt roh in den Übergängen und aberwitzig spannend bis zum Schluss. DJ-Kicks? Fuck Off! Und an alle Platten verlegenden Langweiler und Schöntuer da draußen: Zieht Euch warm an!

GROOVE ARMADA
Another Late Night
(Universal)
Ebenfalls in die private Plattensammlung gegriffen haben die zwei Jungs der britischen Groove Armada für ihre Kompilation in der Reihe Late Night Tales. Zwar lässt der Titel gähnendes Geplätscher vermuten, doch zumindest in der zweiten Hälfte versagt man sich Harmlosigkeiten und vertraut auf die Wirkung von Shuggie Otis, Rae and Christian oder der immergrünen Aretha Franklin.

GILLES PETERSON
Worldwide Programm 2
(Black Market)
Ebenfalls eine verlässliche Geschmacksgröße ist Gilles Peterson, der sich mit dieser Mix-CD aus seiner auch hierzulande via FM 4 zu empfangenden Worldwide-Programm-Radioshow zwischen Jazz und Jazzanova bewegt. Zwar wünscht man sich auf Dauer etwas mehr Kanten, aber als spätnächtliche Verführungsmusik taugt die Auswahl allemal. Und das zählt auch. Manchmal. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2002)

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